Weinlesen im Schein des Vollmonds

Die Weinlese ist im Burgenland schon voll im Gange. Während die einen den Arbeitstag bei Sonnenuntergang beenden, starten die anderen die Arbeit zu Vollmondbeginn. So auch in Deutsch-Schützen bei der Vollmond-Weinlese.

Pünktlich zu Vollmondbeginn und bei ungewöhnlich milden Nachttemperaturen machte sich Familie Faulhammer auf den Weg zu ihrem Weingarten in Deutsch-Schützen. Die Winzerfamilie setzt seit knapp 200 Jahren im Weinbau auf Tradition.

Lesen bei Vollmond
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Heuer wurde der erste Vollmondwein gelesen

Blaufränkisch-Vollmondwein

Heuer wollte die Familie etwas Neues ausprobieren - ihren ersten Blaufränkisch-Vollmondwein lesen. Markus Faulhammer, Winzer aus Deutsch Schützen war gespannt: „Für uns ist das einmal ein Versuch, in wie weit das Lesen bei Vollmond eine Wirkung auf den Wein hat. Ich bin gespannt. Es ist allgemein so, dass wir, seit wir biologisch arbeiten, versuchen die Natur verstärkt einzubinden und da gehört der Mond sicher auch dazu.“

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Winzer Markus Faulhammer

Wenn der Mond hell genug scheint

Freunde und Verwandte halfen tatkräftig mit. „Eine coole Aktion, die der Markus da macht, mit der Vollmondlese. Stirnlampen haben wir dabei, aber ich denke, der Mond wird uns hell genug leuchten. Und dann schauen wir, was wir da runterschneiden, von den Stöcken“, freute sich Pirmin Winklhofer.

Trotz der bekanntlich aufwühlenden Wirkung des Vollmondes machte man sich gut gelaunt an die Arbeit. Seniorchef, Walter Faulhammer war überrascht: „Ich hätte das nicht erwartet, dass das in der Nacht so gemütlich ist, diese Arbeit zu machen. Aber im Doppel zu arbeiten ist gefährlich, ich fürchte mich immer, dass mein Gegenüber mit der Schere zu meinen Fingern kommt.“ Freundin der Familie Janina Kantauer ist keine Anfängerin mehr: „Ich hab jetzt schon ein bisschen Übung. Ich bin schon lange mit Markus und Christina befreundet. Da helfe ich immer wieder gerne mit.“

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Zahlreiche Freunde halfen bei der Weinlese

Viele helfende Hände

Winzerin Kristina Faulhammer freute sich über die Hilfe der zahlreichen Freundinnen und Freunde und bedankte sich mit einem guten Essen: „Nach der Weinlese gibt es dann ein gutes Essen. Natürlich alles ‚homemade‘. Auch die Urlioma hilft mit. Da sind viele Hände, die mithelfen, damit das auch gelingt. Dann gibt es natürlich auch etwas zu trinken. Und eine Flasche Wein bekommt dann auch jeder.“

„So etwas haben wir noch nie gehabt“

Auch für erfahrene Weinlesehelfer war diese Ernte etwas Besonderes, so auch für Viktor Unger: „50 Jahre gehe ich jetzt schon lesen. Aber so etwas haben wir noch nie gehabt.“ Für verrückt hält er die Jungen nicht: "Meine Güte, ist einmal ein bisschen was neues. Hoffentlich macht der Markus auch etwas Gutes daraus.

Lesen bei Vollmond
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Auswirkungen vom Vollmond hat Ronald Kantauer noch keine gespürt: „Bis jetzt noch nicht. Das Arbeiten macht vielleicht mehr Spaß, als am Tag. Das gibt es nicht alle Tage, deshalb sind wir dabei.“ Wenn der junge Vollmondwein dann zum ersten Mal verkostet wird, sind bestimmt auch alle Helfer wieder dabei. (Sendungshinweis: „Burgenland heute“, 6.10.2017)

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