Eberraute – Digestiv „Baucherltröster“

Eberraute ist eines der Gewürz- und Heilkräuter, das lange in Vergessenheit geraten war und seit kurzem, wahrscheinlich durch den „neuen“ Beinamen „Cola-Kraut“ eines findigen Werbeprofis, wieder in aller Munde ist.

Durch den sehr bitteren Geschmack und herb aromatischen Duft ist die Eberraute vor allem in der Küche nicht so populär wie vergleichsweise milde und vielseitig einsetzbare Kräuter wie Dill, Basilikum oder Oregano. Dabei ist Eberraute unverzichtbar für die Würze von deftigen Fleischgerichten und sorgt nebenbei für eine reibungslose Verdauung.

Schon seit der Antike genutzt

Die Eberraute stammt ursprünglich aus den Gebieten des ehemaligen Jugoslawien (Bosnien und Herzegowina, Kroatien) sowie dem östlichen Anatolien, wo sie heute noch wild anzutreffen ist. Kultiviert wird sie heute vor allem in wärmen Ländern, wie Griechenland oder Italien. In diesen Ländern wird die Eberraute schon seit der Antike genutzt.

UHZB Eberraute – Digestiv „Baucherltröster“ 26.9.

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Familie von Beifuss, Wermut und Estragon

Die Eberraute (Artemisia abrotanum) gehört zur Familie der Korbblütler und zur Gattung der Artemisien (Artemisia), die mit über 500 Arten sehr artenreich ist. Beifuss, Wermut und Estragon gehören auch zu dieser Familie. Die Eberraute ist eine winterharte, ausdauernde und mehrjährige Pflanze. Sie wächst meist als Halbstrauch und kann bis zu über einem Meter groß werden.

Benachbarte Pflanzen profitieren, da die duftenden ätherischen Öle Schädlinge fernhalten.

Duft nach Cola

Die Pflanze verströmt aufgrund der enthaltenden ätherischen Öle einen stark aromatischen Duft – die Kampfer-Eberraute duftet nach Cola. Vorsicht: Der Sirup, der daraus gemacht werden kann, schmeckt jedoch nicht nach Cola und ist daher auch nicht unbedingt als Kinder-Sirup zu empfehlen.

UHZB Eberraute – Digestiv „Baucherltröster“ 26.9.

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Sparsam gießen - Vermehrung durch Stecklinge

Die Eberraute gedeiht am besten an warmen Plätzen mit voller Sonne. Die Erde bzw. der Boden sollte locker, leicht kalkig und durchlässig sein. Die Pflanzen sollten man nur sparsam gießen.

Die Vermehrung kann, jetzt im Herbst, durch Stecklinge erfolgen. Dazu wird einfach ein langer Trieb mit Blattspitzen abgeschnitten und in die Erde gesteckt. Damit die Pflanze nicht aus der Form gerät, wird ein Rückschnitt im Frühjahr empfohlen.

Sendungshinweis

„Radio Burgenland Vormittag“, 26.9.2017

Gewürz und gegen Motten

Eberraute wird nicht nur als würzendes und heilsames Kraut verwendet. Eberraute hat ebenso Tradition in der Bekämpfung beziehungsweise in der Vorbeugung gegen Motten.

Die Eberraute findet wohl dosierte Verwendung in der Würzung von fettigen Gerichten. Speziell Gans und Ente kann damit gewürzt werden. Sparsam verwenden, da die Eberraute leicht bitter schmeckt.

UHZB Eberraute – Digestiv „Baucherltröster“ 26.9.

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Bei Magenbeschwerden und Völlegefühl

Eberraute eignet sich gut zum Trocknen. Im Mittelalter sprach man der Eberraute aphrodisierende und belebende Wirkung zu, und außerdem verwendete man sie gegen Haarausfall. Im Kräuterbuch von P. A. Mattioli (1590) wurde die Eberraute konkret gegen Würmer, Brustschmerzen und zur Behandlung von Geschwülsten verwendet.

Eine wichtige Verwendung fand sie als Gegengift (Antidot). Weinauszüge nach Hildegard von Bingen, Tee und Tinkturen sind ebenfalls bekannt. Sie wirkt in jedem Fall bei Magenbeschwerden und Völlegefühl, stärkt auch die Verdauungsorgane und wirkt zusätzlich leicht entkrampfend.

Bei Husten, Bronchitis und unreiner Haut

Sie kann außerdem bei Husten und Bronchitis in Form von Umschlägen mit Tee verwendet werden. Sie klärt die Haut und wirkt antibakteriell. Auch bei Einschlafstörungen, in Form von Tee oder gefülltem Schlafposter sowie bei Rückenschmerzen kann sie lindernd wirken.

UHZB Eberraute – Digestiv „Baucherltröster“ 26.9.

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„Baucherltröster“

Rezept: Gesichtswasser

Eberrauten-Tee mit einem Stamperl „Kosmetik-Alkohol“ aus der Apotheke haltbar machen und mit einem Wattebausch auftragen.

Rezept: „Baucherltröster“

Ein Einmachglas bis zur Hälfte mit angequetschten Eberrauten-Trieben füllen, ein Stück Zimtrinde, zwei Kardamomkapseln, Anis- und Fenchelsamen ( alles im Mörser gequetscht!) einen Anisstern, eine aufgeschlitzte Vanilleschote und 3 Scheiben einer Bioorange dazu legen. Mit einer sehr kleinen Menge Honig süßen oder ganz auf Honig und Zucker verzichten und das Glas mit Vodka auffüllen.

Zwei bis drei Monate an der hellen Fensterbank ziehen lassen, abseihen und in Flaschen füllen. In kleinen Mengen als Medizin genießen.

Die Tipps zum Nachlesen:

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