90 Jahre Schüsse von Schattendorf

Vor 90 Jahren ist es in Schattendorf (Bezirk Mattersburg) zu einer folgenschweren Auseinandersetzung zwischen Schutzbund und Frontkämpfern gekommen. Auch ein Kind wurde von den Schüssen der Frontkämpfer getötet.

Das damalige Gasthaus Tscharmann in Schattendorf, heute eine Blumenhandlung, stand vor 90 Jahren im Mittelpunkt der Ereignisse. Nachdem es am 30. Jänner 1927 bereits zu mehreren Zusammenstößen zwischen Schutzbund und Frontkämpfern in Schattendorf gekommen war, zogen die Schutzbündler am Gasthaus Tscharmann vorbei. Es war damals bekannter Treffpunkt der Frontkämpfer.

Schattendorf Was geschah vor 90 Jahren

ORF

Das damalige Gasthaus Tscharmann ist heute eine Blumenhandlung

Schattendorf Was geschah vor 90 Jahren

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Aus einem der Fenster feuern die drei Frontkämpfer Schüsse auf die Straße

Kind und Kriegsinvalide getötet

Einige Schutzbündler drangen in das Gasthaus ein, in dem sich die Frontkämpfer Johann Pinter sowie Josef und Hieronimus Tscharmann befanden. Die drei Männer verschanzten sich in einem Zimmer und schossen hinaus auf die Straße. Die Schüsse töteten den Schutzbündler und Kriegsinvaliden Matthias Csmarits aus Klingenbach und den erst sechsjährigen Schattendorfer Josef Grössing, Großonkel des späteren Kulturministers Josef Ostermayer.

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Hieronimus Tscharmann 1967 über die Schüsse

„Was sollen wir machen? Die haben geschossen, jetzt haben wir halt auch geschossen. Wo wir hinschießen wissen wir ja nicht.“

94 Tote bei Demonstrationen gegen Urteil

Die drei Schützen standen im Juli 1927 in Wien vor Gericht und wurden schließlich freigesprochen. Das Urteil führte zu wütenden Protesten von Arbeitern. Die Polizei ging gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Es gab 94 Tote. Im Zuge der Proteste wurde der Justizpalast in Brand gesteckt. Die Demokratie der Ersten Republik geriet ins Wanken, aber fallen wird sie erst später.

Historikerin Susanna Steiger-Moser im Studio

Die Vorsitzende des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer hat sich mit den Geschehnissen von damals intensiv beschäftigt.

Erinnerung an damals

An die damaligen Ereignisse erinnert in Schattendorf eine Dauerausstellung. Eine Gedenktafel am Tatort sucht man vergeblich - auch fünf Jahre nach ihrer Ankündigung durch den damaligen Bürgermeister, Alfred Grafl. Der aktuelle Bürgermeister Johann Lotter (SPÖ) möchte eine Gedenktafel oder Skulptur in Absprache mit den Familien der Schützen installieren.

Johann Lotter, Bürgermeister (SPÖ)

Fünf Jahre später sagte der aktuelle Bürgermeister Johann Lotter (SPÖ), dass eine Erinnerung „sicherlich“ verwirklicht wird.

Die Tochter eines der damaligen Schützen hat nichts gegen eine Gedenktafel, sofern auf dieser Tafel auf eine geteilte Schuld des rechten und linken Lagers hingewiesen werde.

In Schattendorf erinnert man sich genau

Gedenktafel hin oder her - ältere Schattendorfer wissen auch so, wo die Schüsse gefallen sind.

Für die jüngere Generation in Schattendorf ist das Ereignis nicht mehr so präsent. Umso wichtiger sei es, die Erinnerung etwa mit Kranzniederlegungen an den Gräbern der damals Getöteten wach zu halten, hieß es in Schattendorf.

Festakt zur Erinnerung

Dieser Ereignisse in Schattendorf wird am Montag unter anderem mit einer Kranzniederlegung gedacht. Am Grab des damals 6-jährigen Josef Grössing findet um 15.00 Uhr die erste Kranzniederlegung statt. Als Redner werden Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ), Landtagspräsident Christian Illedits (SPÖ), sowie die Bürgermeister von Schattendorf und Klingenbach, Johann Lotter (SPÖ) und Richard Frank (SPÖ) erwartet. Auch Susanna Steiger-Moser, die Vorsitzende des Bundes der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer, nimmt daran teil. Der Bund der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer organisiert die Veranstaltung.

Gegen 16.30 Uhr folgt eine weitere Kranzniederlegung in Klingenbach, wo das zweite Opfer der Schüsse von Schattendorf, Matthias Csmarits begraben ist.

Um 18.00 Uhr steht in der Mattersburger Bauermühle eine hochrangig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema auf dem Programm. Dabei soll die Frage nach möglichen Parallelen zwischen 1927 und 2017 beantwortet werden. Neben dem Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Gerhard Baumgartner, wird daran auch Friedrich Forsthuber, Präsident des Landesgerichts für Strafsachen Wien, teilnehmen.