Kaisersteinbruch ist ein kleiner, unscheinbarer Ort an der Grenze zu Niederösterreich. Der Wiener Autor und Kultursoziologen Tötschinger war auf den Spuren der bewegten Geschichte des Orts im Vorjahr für die Dreharbeiten zur Dokumentation in Kaisersteinbruch – mehr dazu in Kaisersteinbruchs verdrängte Geschichte. Die neue Dokumentation erzählt in 80 Minuten die großteils unbekannte und vergessene Geschichte des Dorfes.
Nazis siedelten Bevölkerung 1939 ab
In der Zeit der Monarchie war Kaisersteinbruch wegen der kaiserlichen Steinbrüche bekannt, mit deren Steinen Schlösser und Paläste ausgestattet wurden. Im Zweiten Weltkrieg errichten die Nazis im Dorf eines der größten Kriegsgefangenenlager im Deutschen Reich. 1939 wurde die Bevölkerung von den Nazis komplett ausgesiedelt und durch neue Bewohner, die im Lager arbeiteten, ersetzt.
Filmemacher Reinhard Tötschinger im Gespräch zur Doku über den Kaisersteinbruch
1941: Mehr als 73.000 gefangene Soldaten im Lager
Soldaten aus achtzehn verschiedenen Nationen waren dort gefangen, viele von ihnen kamen um oder wurden ermordet. Im Jänner 1941 waren mehr als 73.000 Soldaten im Lager – die meisten Kriegsgefangenen kamen aus Frankreich. Sie wurden als Zwangsarbeiter auf Bauernhöfe, in Fabriken und auf Baustellen eingesetzt. Es gab verbotene Liebschaften mit ansässigen Frauen, was in vielen Familien ein streng gehütetes Geheimnis blieb. Noch heute suchen Nachfahren Spuren der gefangenen oder getöteten Soldaten.
„Burgenland heute“-Beitrag über die neue Doku
Seit 1964 Militärhundezentrum
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort Kaisersteinbruch wieder besiedelt, die Menschen kamen zurück in ein Ruinendorf. 1964 wurde schließlich das Militärhundezentrum in Teilen des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers untergebracht und dafür ist Kaisersteinbruch heute bekannt.