Schlepper-Lkw
Landespolizeidirektion Burgenland
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Chronik

Polizei: Schlepperorganisation zerschlagen

Die Polizei hat eine internationale Schlepperorganisation zerschlagen, die in großem Ausmaß Migrantinnen und Migranten von Ungarn nach Österreich gebracht hat. Insgesamt 205 Menschen wurden in Österreich, der Slowakei, Tschechien und Rumänien festgenommen.

Die Bande soll mehr als 36.100 Menschen geschleppt haben. Auf das Konto der Organisation gehen auch Schüsse auf Grundwehrdiener im Burgenland im Jänner sowie zwei erstickte Flüchtlinge in einem Klein-Lkw im Oktober in Siegendorf – mehr dazu in Schüsse auf Soldaten: Schlepper gefasst und Zwei tote Flüchtlinge: Schlepper weiter auf der Flucht. Der flüchtige Fahrzeugschlepper aus Siegendorf wurde in Lettland ausgeforscht, gefasst und ausgeliefert – mehr dazu in Tote Flüchtlinge: Schlepper gefasst. Der 19-Jährige wird sich wegen Mordes und Schlepperei verantworten müssen.

Das Video der Polizei Niederösterreich zeigt die Festnahme von Schleppern

Schlepperumsatz von 152 Millionen Euro

Die Ermittlungen begannen 2021, insgesamt 80 Schlepperfahrzeuge wurden sichergestellt. Die Menschenschmuggler sollen einen Umsatz von etwa 152 Millionen Euro gemacht haben, hieß es bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Innenministerium in Wien. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) gab die Details gemeinsam mit Franz Popp, Landespolizeidirektor Niederösterreich, und Gerhard Braunschmidt, Leiter des Landeskriminalamts Burgenland, bekannt.

Franz Popp, Innenminister Gerhard Karner  und Gerhard Braunschmidt
APA/Hans Klaus Techt
Franz Popp, Gerhard Karner und Gerhard Braunschmidt (von links)

Karner: Größter Erfolg der letzten Jahre

„Es ist einer der größten Erfolge im Kampf gegen die Schleppermafia der letzten Jahre“, sagte Karner. „Bei diesen Banden ist ein Menschenleben nichts wert, da geht es um Profit, Geldgier, um brutale Mafiamethoden“, sagte der Innenminister und kündigte an, weiterhin mit Nachdruck und allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Schlepperkriminalität vorzugehen.

Schlepper änderten nach Schüssen auf Soldaten Route

Seit dem Beginn des Jahres 2021 wurden vom Landeskriminalamt Burgenland vermehrt Schleppungen von Migranten über Grenzübergänge im Burgenland und über die grüne Grenze beobachtet, die damals vornehmlich mit Kleintransportern durchgeführt wurden. Diese Schleppungen, bei denen im Schnitt 30 Migranten transportiert wurden, führten allesamt in den südlichen Raum von Wien. Die Erhebungen der Kriminalisten aus dem Burgenland ergaben, dass diese Fahrten einer einzigen kriminellen Schlepperorganisation zuzuordnen waren.

Nach dem Vorfall im heuer im Jänner, bei dem ein Schlepper im Südburgenland auf Grundwehrdiener geschossen hatte, endeten die Schleppungen im Burgenland und verlagerten sich über Tschechien zum Norden Niederösterreichs. Nunmehr wurden jedoch keine Kleintransporter mehr verwendet, sondern Kombis und Vans.

Kopf der Bande flüchtete 2020 aus Haft

In Zusammenarbeit mit den rumänischen Polizeibehörden und dem rumänischen Verbindungsbeamten wurde festgestellt, dass es sich bei dem Haupttäter und Chef der Organisation um den in Österreich bereits einschlägig bekannten 28-jährigen rumänischen Staatsbürger Nicu Gavril O. handelt. Der Kopf der Bande saß eigentlich in St. Pölten bereits in Haft, ihm gelang allerdings im November 2020 nach einer ambulanten Krankenhausbehandlung spektakulär die Flucht. Er wurde vergangene Woche durch einen Hinweis in Rumänien gefasst. Das Verfahren wird nun in Rumänien abgehandelt, über eine mögliche Auslieferung entscheidet dann die Justiz, erläuterte Braunschmidt.

Fotostrecke mit 4 Bildern

Festgenommene Sczhlepper
LPD Niederösterreich
Festgenommene Schlepper
Werkstätte
LPD Niederösterreich
Werkstätte
Sicherstellung von Schlepperwerkzeugen
LPD Niederösterreich
Sicherstellung von Schlepperwerkzeugen
Sicherstellung von Schlepperwerkzeugen
LPD Niederösterreich
Sicherstellung von Schlepperwerkzeugen

Führendes Mitglied der Bande in Wien verhaftet

Die weiteren Ermittlungen führten die Kriminalisten zu einem führenden Mitglied der Organisation mit Wohnsitz in Wien, der Mann wurde unter Observation gestellt. Dabei stießen die Ermittler auch auf eine Autowerkstätte in Biedermannsdorf, die für den Umbau der Schlepperfahrzeuge verantwortlich war. Am 25. Jänner wurde der Mann von Zielfahndern in Wien festgenommen. Er zeigte sich in seiner Vernehmung umfassend geständig und gab den vernehmenden Beamten wertvolle Hinweise zur Struktur der Organisation, zu Örtlichkeiten und beteiligten Personen bekannt.

Letztlich wurde die strukturell und organisatorisch aufgebaute kriminelle Vereinigung durch zahlreiche Polizeibehörden zerschlagen. 19 Schlepper, die im Burgenland gefasst wurden, standen schon vor Gericht. Sie erhielten vor drei Wochen Haftstrafen von 1,5 bis zu vier Jahren – mehr dazu in Schlepper-Prozess: Weitere Schuldsprüche.

Neue „Aktion scharf“ gegen Schlepper

Seit Anfang Mai läuft in Österreich neuerlich eine „Aktion scharf“ gegen Schlepperkriminalität. Dabei gab es bisher laut Innenministerium sechs Festnahmen.