Im Burgenland gehen viele Tierärzte, die Nutz- und Großtiere behandeln, in den nächsten Jahren in Pension. Einige wechselten bereits in den Ruhestand, aber nur in seltenen Fällen gibt es einen Nachfolger für die Großtierpraktiker. Die Lage sei alarmierend, sagte der Präsident der burgenländischen Tierärztekammer, Thomas Neudecker: „Es schaut ganz, ganz schlecht aus im Burgenland.“ Die Versorgung könne gerade noch mit Hilfe von Kollegen aus Niederösterreich gewährleistet werden. Aber mit burgenländischen Tierärzten sei es fast unmöglich, die Nutztiere noch zu versorgen.

Neudecker: Land für junge Tierärzte nicht sehr attraktiv
Es würden zwar genug Tierärzte ausgebildet, sagte Neudecker. Doch die Tierärzte blieben in den Ballungszentren, keiner sei mehr willig, aufs Land zu gehen. Damit gebe es aber auch niemanden, der Nutztiere behandle. Dabei würden die Tierärzte in den Ballungszentren zum Teil am Existenzminimum leben, so Neudecker: „Dort, wo die Arbeit ist, geht aber keiner gerne hin.“

Auch Tierklinik muss Fachärzte aktiv suchen
Zurzeit gibt es im Burgenland noch mehr als 100 aktive Tierärzte, 69 davon haben eine eigene Praxis. Der größte Arbeitgeber für Veterinärmediziner im Burgenland ist die Tierklinik Parndorf, wo derzeit 26 Tierärztinnen und Tierärzte beschäftigt sind. Doch selbst die Klinik habe Probleme, Fachärzte und Spezialisten zu bekommen, sagte Michaela Gökler von der Tierklinik Parndorf. Man gehe aktiv „quasi auf den Markt“ und schaue, dass man über Mundpropaganda Ärzte bekomme. Aktive Bewerbungen von außerhalb kämen fast gar nicht ins Haus.

Die meisten Tierärztinnen und Tierärzte der Klinik in Parndorf begannen dort gleich nach ihrem Studienabschluss. Sie habe sich am Anfang auf Zahnmedizin spezialisiert, erzählte Johanna Zöhrer. Da sei die Umsetzung und die Fortbildung in einer Klinik deutlich einfacher. Seiner Meinung nach sei man frisch nach dem Studium in einer Klinik wesentlich besser aufgehoben, weil man mit vielen Experten zusammenarbeiten könne, an der Hand geführt und an das ganze Wissen und Fachgebiet herangeführt werde, so Philipp Figueroa.

Sie habe sich für eine Anstellung in der Klinik entschieden, weil sie sich unmittelbar nach dem Studium habe weiterentwickeln wollen, erklärte Andrea Thom. Das sei in einer Klinik mit vielen Kollegen mit langer Berufserfahrung einfach möglich. Aber auch familiäre Gründe seien für ihre Entscheidung ausschlaggebend gewesen, so Thom. Denn Familienplanung sei in der Anstellung oft leichter, als sie es in der Selbstständigkeit wäre. Aktuell will von den drei Befragten niemand den Schritt in die Selbstständigkeit machen.
Neudecker appelliert an Politik
In der Regel bevorzugen junge Tierärzte eine Anstellung in einer Klinik, in der Forschung oder in der Pharmaindustrie. Das Problem könne man nur mit Hilfe der Politik in den Griff bekommen, sagte Tierärztepräsident Neudecker. Man müsse die ländlichen Regionen wieder finanziell so attraktiv für junge Tierärzte machen, dass diese willens seien, das Landleben anzunehmen und die Nutztiere auf dem Land zu behandeln. Nicht nur im Burgenland werden Landtierärzte gesucht, der Tierärztemangel in ländlichen Regionen ist in ganz Österreich ein Thema.