Kaiseradler, der in ein Windrad geraten war und starb
Matthias Schmidt
Matthias Schmidt
Chronik

Kaiseradler durch Windrad getötet

Ein Kaiseradler, der aus einem Nest im Nordburgenland stammte, geriet in Niederösterreich in eine Windkraftanlage und starb. Laut BirdLife kamen bereits sieben Kaiseradler an Windrädern in Österreich zu Tode. Die Organisation fordert, gefährdete Arten beim Ausbau erneuerbarer Energien stärker zu berücksichtigen.

Der Kaiseradler war Ende Juni von BirdLife im Burgenland besendert worden, sein Flug konnte genau verfolgt werden. Er war in einem Nest im Nordburgenland aufgewachsen. Die Experten von BirdLife gaben ihm den Namen „Johannes“. Nach kleinere Ausflügen in der Umgebung, unternahm er Anfang Oktober einen längeren Flug, der ihn bis nach Dukovany nach Tschechien brachte.

Am 12. Oktober flog der Jungvogel über das östliche Weinviertel in Niederösterreich und wurde vom Rotorblatt einer Windkraftanlage erwischt. Laut BirdLife Österreich wurde dadurch sein rechter Flügel abgetrennt, der Vogel stürzte ab und starb. Es sei die weltweit erste im Detail dokumentierte Kollision eines Adlers mit einer Windkraftanlage.

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Bei der Kollision wurde der rechte Flügel des Vogels abgetrennt
Matthias Schmidt
Bei der Kollision wurde der rechte Flügel des Vogels abgetrennt
BirdLife-Mitarbeiter Johannes  Hohenegger mit Kaiseradler „Johannes“
Matthias Schmidt
BirdLife-Mitarbeiter Johannes Hohenegger mit Kaiseradler „Johannes“
„Johannes“ und seine beiden Geschwister bei der Besenderung im Juni
Matthias Schmidt
„Johannes" und seine beiden Geschwister bei der Besenderung im Juni“
Kaiseradler „Johannes“
Matthias Schmidt
Kaiseradler „Johannes“

Laut BirdLife kamen in den vergangen zwei Jahren vier Kaiseradler bei Kollisionen mit Windkraftanlagen ums Leben. Insgesamt seien in Österreich sieben Fälle bekannt. „Wenn auch zur Bewältigung der Klimakrise der Ausbau der erneuerbaren Energie ein entscheidender Teil der Lösung ist, so sollte dies nicht auf zu hohen Kosten der Biodiversität erfolgen“, so Matthias Schmidt, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich. Es sei wichtig, dass auch bei zukünftigem Ausbau der Windparkanlagen die Biodiversität und die Vogelwelt im Speziellen berücksichtigt werden.

Mensch stellt größte Gefahr dar

Hauptverantwortlich für die meisten Todesfälle von Kaiseradlern ist laut BirdLife der Mensch. Etwa ein Drittel aller in Österreich aufgefundenen Kaiseradler sei Opfer von vorsätzlicher Jagd oder Gifteinsatz. BirdLife habe sich deshalb mit dem WWF und neun anderen Organisationen aus fünf Ländern in einem EU-Projekt die Bekämpfung der illegalen Greifvogelverfolgung zum Ziel gesetzt, heißt es von der Volgeschultzorganisation.

Gefährdete Art

Der Kaiseradler hatte in den vergangenen beiden Jahrhunderten einen schlechten Stand in Mitteleuropa und wurde rigoros verfolgt. Ende der 1980er Jahre lebten nur noch wenige Dutzend Paare in Ungarn und der Slowakei. Erst durch intensive Schutzbemühungen erholten sich die Bestände des Kaiseradlers und Ende der 1990er Jahre kehrte er als Brutvogel nach Österreich zurück, wo er knapp 200 Jahre als ausgestorben galt. Die Art findet sich allerdings nach wie vor auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.