Norbert Hofer der neue Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland im Rahmen eines Landesparteitages am Samstag den 7. März 2020.
APA/Hans Punz
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Politik

FPÖ-Wahl: Nur 75,8 Prozent für Hofer

Beim Landesparteitag der FPÖ Burgenland in Neudörfl (Bezirk Mattersburg) ist FPÖ-Bundesparteichef Norbert Hofer am Samstag auch zum neuen Landesparteiobmann gewählt worden. Er erhielt 75,8 Prozent der gültigen Stimmen.

Bei der Kampfabstimmung rund um die Landesparteiobmannschaft in der FPÖ Burgenland erhielt FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer 100 Stimmen – von insgesamt 132 gültigen Stimmen. 32 Stimmen gingen an seinen Gegenkandidaten, den ehemaligen FPÖ-Landtagsabgeordneten Manfred Haidinger, der sich ebenfalls der Wahl stellte. Eine Kampfabstimmung, die man mit der Kandidatur Hofers eigentlich hätte verhindern wollen – mehr dazu in Kampfabstimmung bei FPÖ-Landesparteitag.

Haidinger mit scharfer Kritik an Tschürtz

„Es war mir nie daran gelegen, hier irgendwo einen Streit in die Partei zu bringen“, sagte Haidinger. Er wolle auch keine Spaltung in die Partei bringen. Es sei nicht einfach für ihn, gegen Bundesobmann Hofer zu kandidieren, das sei auch nie seine Absicht gewesen, so Haidinger. Für ihn stelle es sich momentan so dar, dass „das Establishment in der eigenen Partei“ erhalten werden solle.

Am 26. Jänner sei die Landtagswahl verlorengegangen. Danach habe man sich in der eigenen Familie nicht mehr ganz wohlgefühlt. Haidinger kritisierte die rasch erfolgte Bestellung von Johann Tschürtz zum Klubobmann. Zudem sei Ex-Landesrat Alexander Petschnig in einer Präsidiumssitzung als Parteiobmann designiert worden, was nicht statutenkonform gewesen sei. Es seien „Taschenspielertricks“ angewendet worden. Einen „Kampf mit offenem Visier“ sehe er hier nicht, meinte Haidinger, der die Wahl zur Kenntnis nahm.

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Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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Norbert Hofer sollte mit seiner Kandidatur eine Kampfabstimmung eigentlich verhindern
Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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Manfred Haidinger gab erst am Samstag bekannt, dass auch er zur Wahl antreten wird
Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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Der ehemalige Landesparteiobmann Johann Tschürtz (l.) gemeinsam mit Norbert Hofer
Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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Rund 300 Funktionäre haben an dem Landesparteitag teilgenommen
Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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Manfred Haidinger sparte in seiner Rede nicht mit Kritik an Ex-Landesparteiobmann Johann Tschürtz
Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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Der Landesparteitag fand in Neudörfl statt
Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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Ex-Landesparteiobmann Johann Tschürtz forderte Zusammenhalt ein
Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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132 gültige Stimmen wurden bei der Wahl abgegeben
Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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Norbert Hofer ging in seiner Rede auch auf seinen Gegenkandidaten ein
Norbert Hofer wurde beim FPÖ-Landesparteitag zum neuen Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland gewählt
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Der Landesparteitag wurde am Samstagnachmittag eröffnet

Genau das sei es, „was nicht geht, dass man immer nur das Negative sieht“, sagte FPÖ-Bundesparteiobmann Hofer und ging in seiner Rede direkt auf seinen Gegenkandidaten ein. Man müsse die Menschen begeistern: „Wenn du beginnst zu jammern, wird dir niemand folgen.“ „Ich reiche dir die Hand“, wandte er sich an Haidinger: „Da ist keine Finte. Ich mache das, um diese Partei im Burgenland nach vorne zu bringen“, sagte Hofer.

Hofer warnte vor „Spaltung in zwei Lager“

Zum Establishment gehöre Haidinger durch seine Funktionen in der Partei auch selbst. „70 Vorzugsstimmen auf der Landesliste nach fünf Jahren Landtagsarbeit, das ist zu wenig“, hielt Hofer seinem Gegenkandidaten vor. Der FPÖ-Chef warnte vor einer Spaltung in zwei Lager, auch wenn die Landesgruppe dafür „nicht groß genug“ sei. Er habe persönlich nichts zu gewinnen, betonte Hofer nochmals. „Zusammenhalten, zusammenhalten, zusammenhalten“, appellierte er an die Delegierten. Hofer selbst nahm die Wahl an und bedankte sich für das Vertrauen in einer sehr schwierigen Situation, wie er sagte. Wie schwierig die Situation tatsächlich war, zeigte sich auch bei der Wahl zum Obmannstellvertreter. Hier schaffte einzig der ursprüngliche Kandidat für den Landesparteiobmann, Ex-Landesrat Alexander Petschnig, mit 61 Prozent die erforderliche Zustimmung. Die weiteren Kandidaten, Christian Ries und Geza Molnar, scheiterten mit knapp 49 Prozent an der notwendigen Mehrheit – ebenso Manfred Haidinger, mit 45 Prozent.

Norbert Hofer im Interview

Der neu gewählte FPÖ-Landesparteiobmann Norbert Hofer im „Burgenland heute“-Liveinterview mit ORF-Burgenland-Reporterin Raphaela Pint.

„Ich bin als Demokrat angetreten und nehme die Wahl zur Kenntnis“, sagte sein Gegenkandidat Manfred Haidinger, der mit 24,2 Prozent der Stimmen ein respektables Ergebnis einfuhr. Man stehe nun hinter dem neu gewählten Landesparteiobmann und gehe mit Elan in die nächsten drei Jahre, um gemeinsam die Gemeinderastswahl im Burgenland schlagen zu können, sagte Haidinger.

Tschürtz erhielt 71,4 Prozent im Jahr 2013

Hofers Vorgänger, der jetzige FPÖ-Klubobmann Johann Tschürtz, erreichte beim Landesparteitag der FPÖ in Kobersdorf (Bezirk Oberpullendorf) 2013 als einziger Kandidat nur 71,4 Prozent der Stimmen – sein schwächstes Ergebnis seitdem er 2005 Landesparteiobmann wurde. Enttäuscht kündigte Tschürtz schon kurz nach der Wahl an beim Landesparteivorstand die Vertrauensfrage stellen zu wollen. Der Parteivorstand hatte Tschürtz im Vorfeld zur Wiederwahl vorgeschlagen. Auch der damalige FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache stärkte Tschürtz den Rücken. Ein Detail am Rande: Norbert Hofer erreichte damals, als einer der Stellvertreter von Tschürtz, mit 83,81 Prozent der Stimmen die höchste Zustimmung.