Rückblick: Heinz Fischer zu „100 Jahre Republik“

Altbundespräsident Heinz Fischer ist der Koordinator der Gedenkveranstaltungen im Jubiläumsjahr „100 Jahre Republik“. Er kennt die Geschichte Österreichs und des Burgenlandes sehr gut. Kurz vor Kriegsende hat er im Burgenland gelebt.

Einer, der die Geschichte Österreichs so gut kennt, wie kaum ein anderer, ist der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer. Er koordiniert als Regierungsbeauftragter die Gedenkveranstaltungen im Jubiläumsjahr „100 Jahre Republik“. Das führte ihn auch mehrmals ins Burgenland - zu dem er eine ganz besondere Beziehung hat, wie er im Interview mit Chefredakteur Walter Schneeberger verraten hat.

Altbundespräsident Heinz Fischer im Interview

Heinz Fischer hat selbst vor Kriegsende im Burgenland gelebt. Mit Chefredakteur Walter Schneeberger spricht er über seine Erinnerungen.

Als Jurist und an der Geschichte Interessierte, sei es eine erstaunliche und erfreuliche Geschichte und Beziehung - das Hineinwachsen des Burgenlandes in die Republik Österreich zu beobachten, mit einem „Happy End“, so Fischer. Er hat die Zeit vom Sommer 1944 bis knapp vor Kriegsende im Burgenland verbracht, ist in Pamhagen in die erste Klasse Volksschule gegangen. „Das hat mich natürlich alles tief beeindruckt, wie ich da aus meiner behüteten Familie in Wien mit meinen Eltern zur Tante ‚Sali‘, Rosalia Weinzettl, nach Pamhagen gekommen bin“, erinnert sich Fischer.

Demokratie: „Keine Regierungsform unzerstörbar“

Wenn es um die Demokratie geht, muss man angesichts der Geschichte vorsichtig sein: „Wenn man jetzt sagen kann, dass wir seit 73 Jahren eine stabile Demokratie haben, dann ist das eine Tatsache, auf der man aufbauen kann, und die mich vermuten lässt, dass die Demokratie wirklich Stabilität in Österreich genießt. Aber ich sage dazu, dass wir alle aus der Geschichte wissen, dass es keine Regierungsform gibt, keine einzige, die völlig unzerstörbar in Granit gemeißelt ist. Gott sei Dank sind die meisten Diktaturen früher oder später zusammengebrochen. Demokratien halten jetzt in Europa sehr lange, aber sie sind nicht unzerstörbar. Man muss immer ein wachsames Auge und ein Gefühl für das behalten, was der Demokratie zumutbar ist, was ihr hilft und was sie in Schwierigkeiten bringt.“

Heinz Fischer

ORF

Altbundespräsident Heinz Fischer

„Zusammenhalt nach schrecklicher Zeit schwindet“

Aktuelle Entwicklungen in verschiedenen Ländern schätzt Fischer so ein: „Die positiven Kräfte aus der Erfahrung einer schrecklichen Zeit, die verschwinden langsam hinter den Horizont. Und ich glaube, das ist einer der Gründe, warum manche Dinge, die wir schon als völlig gesichert und festgefügt betrachtet haben, jetzt wieder lockerer werden.“ Außerdem gebe es eine Tendenz wachsender Nationalismen, so Fischer: „Nationalismus ist Egoismus und ein gewisses Maß an Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Kulturen, Völkern, Religionen.“

Jungen Menschen Orientierung bieten

In das Burgenland kommt Heinz Fischer besonders gerne - insbesondere, wenn er so wie für das Projekt „100 Jahre Republik“ mit Schülerinnen und Schülern arbeiten kann: "Mein Ehrgeiz ist, mitzuhelfen, dass die jungen Leute wissen, woher kommen wir, was war vor 100, 80, 50 Jahren, was ist schiefgelaufen, was ist gutgegangen. Sie sollen sich in der Geschichte orientieren können und das wird der Zukunft des Landes guttun.