Winzerin kontrolliert Trauben
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„Pannonische WeinKULTour“

Flüssige Kostbarkeit aus Rust

Das Burgenland ist bekannt für Wein, vor allem für große Süßweine. Dazu gehört schon seit Jahrhunderten der edelsüße Ruster Ausbruch. Ein Wein mit Geschichte, dem Rust das 1681 verliehene Freistadtrecht verdankt. Seit 2020 ist die Herkunft mit dem DAC-Status geschützt.

Seit dem Mittelalter wird der Ruster Ausbruch, einst vermutlich nach dem Vorbild der edelsüßen Tokajer Weine, gekeltert und in alle Welt exportiert. Damals hauptsächlich aus der traditionsreichen Rebsorte Furmint. Heute kann Ruster Ausbruch aus allen Weißweinsorten gemacht werden.

Furminttraube
ORF/Nicole Aigner
Furmint-Traube

Späte Lese

Jetzt im September, zu Beginn der Erntezeit, werden die Trauben für trockene Weine gelesen, etwa für den Weißburgunder. Für den Ruster Ausbruch bleiben die Trauben oft bis in den Dezember am Stock, bis durch die magische Nebelstimmung vom See die charakteristische Edelfäule entsteht – ein faszinierendes Phänomen.

Sendungshinweis

„Pannonische WeinKULTour“, 17.9.2022, 19.20 Uhr, ORF 2 Burgenland

Wie es entdeckt worden sein könnte, das stellt sich die Winzerin Heidi Schröck so vor: „Kein Landwirt auf der ganzen Welt lässt freiwillig seine Früchte verschimmeln. Ich denke mir das so, dass man irgendwann noch eine andere Arbeit gehabt hat und dann zu spät in den Weingarten gekommen ist und siehe da, es war verfault. Und dann hat man sich gedacht, bevor wir sie hängen lassen, pressen wir sie und einer der großen edelsüßen Weine der Welt war geboren.“

Ausbruch verpflichtet

Die traditionsreiche Geschichte vom Ruster Ausbruch beflügelt auch die junge Generation im Weinbau. Georg Schröck führt das Erbe weiter: „Ein Weinjahr ohne Ruster Ausbruch ist nicht komplett. Man fühlt sich verpflichtet, das zu machen. Es ist natürlich ein Geschenk der Natur, aber man muss viel Arbeit hineinstecken. Das Wissen, dass das seit Jahrhunderten hier gemacht wird, motiviert mich.“

Ruster Ausbruch
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Ruster Ausbruch im Glas

Goldgelbe Rarität

Weinakademiker Georg Schweitzer kommt förmlich ins Schwärmen, wenn er einen Ruster Ausbruch beschreibt: „goldgelbe Farbe, Honigduft und eine leichte Safrannote im Geschmack.“ Die Süßweinspezialität zeichnet sich auch durch ihre Lagerfähigkeit aus. Was die Kombination mit Speisen betrifft, laden der Weinexperte und auch die Ruster Winzerin Heidi Schröck dazu ein, sich auf Experimente einzulassen. Ruster Ausbruch passt zu einem Steak mit Röstaromen ebenso wie zu einem kräftigen Fisch, etwa einem Wels mit Kren oder Wasabi.