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DI | 09.02.2010
Das Amulett (Bild: Uni Wien)
SENSATIONSFUND
Ältestes jüdisches Fundstück entdeckt
Ein Team der Uni Wien ist bei der Auswertung von Material eines antiken Gräberfelds in Halbturn auf eine Sensation gestoßen: Sie fanden ein Amulett, das sich als das älteste jüdische Fundstück Österreichs entpuppte.
Im Kindergrab 147 fand man das Amulett.
Mit Segensspruch
Ein Kindergrab enthielt das Amulett aus Goldblech, das mit einem jüdischen Segensspruch versehen ist.

Das Kindergrab 147 beweise, dass vor allem der Umgang mit verstorbenen Kindern sehr respekt- und liebevoll war, hieß es von den Wissenschaftlern.
Amulett (Bild: Uni Wien)
Das etwa ein- bis zweijährige Kind wurde mit einem silbernen Schmuckstück bestattet, das sich bei näherer Untersuchung als Amulettkapsel herausstellte. Im Inneren der Kapsel fand sich ein auf Griechisch beschriftetes Goldblechstück, das einmal gefaltet und dann eingerollt war. Es diente als Schutzamulett (Phylakterion) und sollte den Träger vor Unheil bewahren.
Jüdische Gebetsformel
Das Besondere am Halbturner Goldamulett liegt in der Tatsache, dass die Inschrift laut Universitätsprofessor Hans Taeuber, Vorstand des Instituts für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien, die griechische Transliteration einer jüdischen Gebetsformel darstellt: "Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist Einer".
Video: Das Amulett




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Bisher ältester Nachweis
Somit handelt es sich um den ältesten auf österreichischem Boden gefundenen Nachweis jüdischen Glaubens.

Als bisher früheste Zeugnisse jüdischer Präsenz innerhalb der heutigen Grenzen Österreichs galten mittelalterliche Briefe aus dem 9. Jahrhundert nach Christus, sagte Hans Taeuber, Vorstand des Instituts für Alte Geschichte der Uni Wien.
Aus römischer Kaiserzeit
Der Fund sei auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass bereits in der römischen Kaiserzeit Menschen jüdischen Glaubens in unserem Raum lebten, teilte die Universität Wien mit.

An der Auswertung des Gräberfeldes waren Forscher aus mehr als zehn unterschiedlichen Disziplinen beteiligt
Das Kindergrab 147 (Bild: Uni Wien)
Jahrzehntelange Arbeit an Gräberfeld
Das Gräberfeld von Halbturn im Seewinkel stammt aus dem 2. bis 5. Jahrhundert nach Christus. Es wurde mit Mitteln des Wissenschaftsfonds FWF seit Ende der 1980er Jahre freigelegt und wissenschaftlich bearbeitet.

Für die Forscher sehr überraschend war die "überdurchschnittliche" Größe des Kindergrabes, berichtete die Amulett-Finderin und wissenschaftliche Bearbeiterin, Nives Doneus vom Institut für Ur- und Frühgeschichte.

Im "Grab 147" entdeckten die Forscher auch Funde wie etwa eine abgenutzte Münze sowie Glas- und Tongefäße.
Forscherin Doneus wird eine Publikation zum Fund herausbringen.
Objekt wird ab 11. April ausgestellt
Seit Anfang Jänner gehört das Amulett zu den Beständen des Burgenländischen Landesmuseums, das Partner bei den Projektarbeiten war.

Das Amulett wird im Rahmen der Ausstellung "Die Bernsteinstraße - Evolution einer Handelsroute" im Landesmuseum in Eisenstadt ab 11. April zu besichtigen sein, sagte Museums-Chef Josef Tiefenbach.

Eine Publikation der Forscherin Doneus über die Ausgrabungen und Auswertungen der Fundstücke des Gräberfeldes in Halbturn soll noch heuer erscheinen.
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