Heilende Steine

Vor allem schöne Steine wurden schon früh für rituelle Zwecke verwendet. Sie wurden als Amulette oder zu Schmuckzwecken am Körper getragen. Doch auch zu Heilzwecken wurden sie in allen traditionellen Heilsystemen eingesetzt, sagt Gesundheitsexpertin Miriam Wiegele.

Als Lithotherapie bezeichnet man Therapieformen, bei denen Steine zu Heil- oder gesundheitsfördernden Zwecken eingesetzt werden.

Lange Tradition

Die Anwendung der Steine blickt auf eine lange Tradition in der Geschichte der Medizin zurück. Der Ebers-Papyrus aus dem alten Ägypten empfiehlt pulverisierten Malachit nicht nur zu Schönheitszwecken als Lidschatten, sondern auch gegen Augenkrankheiten. Im Ayurveda wurden pulverisierte Steine und Halbedelsteine auch schon seit jeher therapeutisch verwendet, so der Mondstein bei Frauenkrankheiten.

Auch Griechen und Römer verwendeten die „Erdkruste“ als Heilmittel. Zum Beispiel wurde pulverisierter Marmor gegen Magen- und Darmschmerzen eingesetzt. Roter Jaspis, reich an Eisenoxyd, wurde bei Schwäche und Mutlosigkeit eingenommen. Der römische Naturhistoriker Plinius schrieb über Edelsteine und ordnete ihre Heilwirkung nach Farben. Schon damals unterschied man zwischen der Heil- und Schutzwirkung der Edelsteine als Talisman und der medizinischen Heilwirkung als mineralische Substanzen. Im ersten Fall wurden sie einfach am Körper getragen, im letzteren Fall wurden sie gemahlen und in Wasser oder einer anderen Flüssigkeit gelöst.

„Edelsteinmedizin“ der Hildegard von Bingen

Eine eigene „Edelsteinmedizin“ beschrieb Hildegard von Bingen in ihrer „Physica“. Sie empfahl, Steine in Wasser zu legen und dieses dann zu trinken, um die Kraft der Steine aufzunehmen: „Achat bei zunehmenden Monde drei Tage in Wasser gelegen, macht dieses Wasser heilsam gegen Epilepsie, Mondsucht und Wahnsinn.“

Vom Chalzedon meinte Hildegard, dass „wer sich Redegewandtheit wünscht und die Kunst, beim Reden seine Worte richtig zu setzen, der nehme den Chalzedon in seine Hand und hauche ihn mit seinem Atem an, damit er sich dadurch feucht beschlage. Dann lecke er mit seiner Zunge ab und er wird den Menschen beharrlicher Rede und Antwort zu stehen wissen“. Es kann sicher nicht schaden, wenn Vielredner diesen Ratschlag befolgen.

Lithotherapie heute

Es ist populär geworden, Schmucksteine am Körper zu tragen, wobei ihnen dann bestimmte Wirkungen zugesprochen werden. Ob das bloße Tragen von Steinen einen therapeutischen Effekt bringen kann, ist eher fraglich. Eine konkrete therapeutische Wirkung kann man dagegen erwarten, wenn Steine, die speziell aufbereitet werden, eingenommen werden. Diese Lithotherapie bietet Mineralstoffe in natürlich gebundenem Zustand an.

Beispielsweise wird nicht die chemische Reinsubstanz Lithium eingenommen, sondern Lepidolith, das natürliche lithiumhaltige Gestein, in Alkohol gelöst. Die verschiedenen Zubereitungen von Gesteinen stellen das Gleichgewicht der Spurenelemente und Mineralstoffe im Körper wieder her. Blockierte Enzymketten werden freigesetzt, wodurch die Biokatalysatoren wieder verfügbar werden.

Sendungshinweis:

„Radio Burgenland Vormittag“, 28.8.2012

Die Steinheilkunde ist also eine „bodenständige“ Therapieform, die sich immer dann empfiehlt, wenn es zu physiologischen oder psychischen „Versteinerungen“ kommt. Der Einsatz stellt also den letzten Versuch dar, die Körperabwehr noch einmal zu aktivieren. Nur die Lithotherapie kann die herabgesetzte Reaktionskraft des Organismus noch einmal stärken. Diese Form der Lithotherapie wurde in Frankreich entwickelt und hilft vor allem, wenn man sie mit Heilpflanzen und Gemmotherapie kombiniert.

Auswahl von Steinheilmitteln

Anwendung: Zweimal täglich je zehn Tropfen

Adular (Feldspat, Aluminium- Silikat)

  • Harmonisiert die hormonellen Systeme im Körper
  • Indikation: Prostathypertrophie

Apatit (Pyrophosphat vom Kalzium)

  • Wirkt auf den Kalziumhaushalt und daher stärkend auf Knochen und Gelenke
  • Indikation: Osteoporose, Arthrosen

Azurit (Kupferkarbonat)

  • Regt Leber an und wirkt entgiftend
  • Indikation: Stimmungsschwankungen, anregend für die Schilddrüse

Baryt (Bariumsulfat, Schwerspat)

  • Bei sklerotischen Prozessen, daher bei Schwindelzuständen, die auf eine schlechte Durchblutung des Gehirns zurückgehen
  • Indikation: Bluthochdruck

Blende (Zinksulfat)

  • Wirkt gegen Bakterien und Pilze, daher positive Wirkung bei Darmgrippe, wirkt sich positiv auf Darmflora aus, regt die Durchblutung an
  • Indikation: Venenprobleme, Hämorrhoiden, unterstützend bei Diabetes (regt Insulinproduktion an)

Chalcopyrit (Kupfermineral mit Spuren von Gold)

  • Wirkt entzündungshemmend bei Arthrosen
  • Indikation: Bei allen Syndromen durch erhöhte Ablagerungen, unterstützend bei Bandscheibenvorfall

Conglomerat (Sedimentgestein mit Quarz)

  • Ist reich an Silizium
  • Indikation: Ekzeme, Neurodermitis

Erythrit (Kobalt- Arsenverbindung)

  • Wirkt positiv auf Blutbildung
  • Indikation: Anämie, unterstützend bei Schilddrüsenüberfunktion

Feldspat (Silikat- Mineralien)

  • Wirkt remineralisierend
  • Indikation: Osteoporose, Wirbelsäulenprobleme

Gold

  • In seiner natürlichen Form werden die Heilkräfte des Goldes für den Körper am besten aufgeschlossen
  • Indikation: Entzündungen, Infektionen, Kräftigung der Herzfunktion

Hämatit (Eisenoxyd)

  • Schon seit dem Altertum geschätzt wegen seiner Blut aufbauenden Kräfte
  • Indikation: Anämie, Eisenmangel, Müdigkeit

Jaspis (Quarz, Farbe durch Spurenelemente)

  • Jaspis gibt es in unterschiedlichen Farben, Grüner Jaspis enthält Kupfer und Mangan
  • Indikation: Darmkrämpfe durch Blähungen, anregend bei Verdauungsbeschwerden und auf Gallensekretion.

Lepidolith (Hauptmineral des Lithium)

  • Indikation: Unterstützend bei allen depressiven Zuständen

Marmor (Kalziumkarbonat)

  • In der Lithotherapie wird sehr weißer Marmor verwendet
  • Indikation: Gastritis, Sodbrennen (ausgleichend bei Übersäuerung des Magens)

Obsidian (Lava reich an Silizium)

  • Wirkt sich positiv bei Gelenksproblemen aus.
  • Indikation: Wirkung vor allem beim Cervikalsyndrom (Problem mit der Halswirbelsäule, Steifheit des Nackens), Neuralgien

Rhodonit (Mangan- Silikat)

  • Ausgleichend zur Regulation des vegetativen Nervensystems
  • Indikation: Vegetative Dystonie, Stressfolgen, Schlaflosigkeit, Bewältigung von Schock

Sandrose (Sedimentgestein)

  • Indikation: Chronische Verstopfung

Silber

  • In seiner natürlichen Form wird Silber am besten vom Körper aufgeschlossen, Silber revitalisiert und fördert die Wundheilung
  • Indikation: Entzündungen, Infektionen

Stibnit (Antimonmineral)

  • Gilt als Mittel gegen Alterschwäche
  • Indikation: Chronische Bronchitis

Turmalin (Lithium- Mineral)

  • Enthält auch Magnesium und Eisen
  • Indikation: Antriebsfördernd bei Depression, Trauer, hilft bei Stress, stimuliert Immunsystem