Beeren als „Geheimwaffe“

Beerenobst hat insgesamt ein sehr großes Gesundheitspotential, sodass man eigentlich alle Beeren sowohl als Nahrungs- als auch als Heilmittel nutzen kann. Besonders gilt das für Heidel- und Preiselbeeren verrät Kräuterexpertin Miriam Wiegele.

Heidelbeeren

Der kleine, 20 bis 30 cm hohe Halbstrauch wächst vorzugsweise auf feuchten, humusreichen Wald- und Heideböden. Blaubeeren oder auch Schwarzbeeren werden sie genannt, weil die Früchte so dunkel gefärbt sind.

Die Beeren sind quasi eine „Geheimwaffe“ – vordergründig eine herb-süße Frucht, durch deren Genuss man blaue Lippen bekommt und die sowohl zu Marmelade oder Kompott verarbeitet werden kann und auch als Kuchenbelag delikat schmeckt.

Hintergründig sind es ihre Wirkstoffe, die aus Heidelbeeren Geheimwaffen machen: In den frischen Früchten und das gilt übrigens auch für tiefgefrorene oder zu Marmelade verarbeitete Heidelbeeren sind es vor allem die Fruchtsäuren, die eine darmmobilisierende Wirkung haben.

Preiselbeeren und Heidelbeeren

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Heidelbeeren

Gut fürs Blut

Dass die Frucht sehr reich an Vitamin C ist, hilft in Kombination mit dem blauen Farbstoff, dem Myrtillin, das zu den Anthocyanen zählt, und dem Eisen, das ebenfalls reichlich vorkommt, dass die Heidelbeeren blutbildend wirken. Es sorgt für die Elastizität der Blutgefäße, übrigens ganz besonders im Hirn und den Augen. Heidelbeeren sind daher gut für Menschen, die unter Nachtblindheit und Lichtempfindlichkeit leiden.

Angeblich wurde diese Wirkung dadurch erkannt, weil man beobachtete, dass im 2. Weltkrieg die Piloten der Royal Airforce bei ihren Nachtflügen wenig Probleme hatten. Sie bekamen zum Frühstück üblicherweise Brötchen mit „blueberry jam“, also Heidelbeermarmelade und so begann man die Wirkung der Heidelbeeren auf die Augen zu untersuchen. Heute verwendet man Präparate aus den Heidelbeeren vor allem auch zur Vorbeugung und Behandlung der Makuladegeneration, der Hauptursache für Erblindung im Alter.

Auch zur Schlaganfallprophylaxe kann man Heidelbeeren essen, da sie verhindern helfen, dass die Blutblättchen verklumpen und die Wände der Kapillargefäße gestärkt werden. Zusätzlich können die Wirkstoffe auch cholesterinsenkend wirken, was auf das Polyphenol Resveratrol zurückzuführen ist, das vor allem im Rotwein vorkommt.

Sendungshinweis: „Radio Burgenland Vormittag“, 14.8.2012

Gut für den Darm

Ferner wurden antimikrobielle und antivirale Effekte der Heidelbeere festgestellt. Heidelbeersaft hat eine abtötende Wirkung auf Kolibakterien. Gastroenterologen empfehlen deshalb, Heidelbeeren regelmäßig zu essen, vor allem jetzt im Sommer, um einer eventuellen Durchfallerkrankung oder Darmgrippe vorzubeugen. Die Anthocyane in den kleinen blauen Beeren können das körpereigene Enzym Lipoxygenase (LOX) hemmen, das entscheidend an der Entstehung von Entzündungsfaktoren im Körper beteiligt ist. Deshalb werden Hoffnungen laut, Heidelbeeren zur Vorbeugung und Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen einzusetzen.

Gut gegen Durchfall

Getrocknete Heidelbeeren sind ein altbekanntes Heilmittel, wenn es zu Durchfall kommt. Beim Trocknen werden die Gerbstoffe, die entzündungshemmend wirken können, konzentriert und die Kombination mit den bakterienwachstumshemmenden Farbstoffen macht eine sehr wirkungsvolle Medizin gegen alle Formen von Durchfallerkrankungen. Es ist allerdings anzuraten, getrocknete Heidelbeeren nicht zu kauen, wie das oft empfohlen wird, sondern einen Tee daraus zu machen.

Heidelbeertee:

Drei Esslöffel der Droge mit einem halben Liter Wasser zehn Minuten kochen lassen, abseien und davon mehrmals am Tag eine Tasse warm trinken. Diesen Tee kann man sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen gegen Durchfall einsetzen. Getrocknete Heidelbeeren sollten daher ein ständiger Bestandteil der Hausapotheke sein.

Heidelbeerblätter:

In der Volksmedizin wird die Anwendung eines Tees aus den Blättern sehr geschätzt. Sie gelten als blutzuckersenkend. Diese Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Sicher ist, dass ein Dauergebrauch des Tees zu Vergiftungen führen kann. Bestimmte Inhaltstoffe wie das Arbutin haben zwar eine desinfizierende Wirkung bei Blasenentzündungen, doch ein Spaltprodukt des Arbutins, das sogenannte Hydrochinon, kann ins Blut gelangen und bei langdauernder Einnahme zu Vergiftungen führen.

Preiselbeeren

Botanisch nahe verwandt mit der Heidelbeere, doch eher in höheren Gebirgslagen in Kiefernwäldern und auf humusreichen Böden in Hochmooren vorkommend, ist die Preiselbeere. Leicht verwechselt werden könnte sie mit der Bärentraube (Arctostaphylus uva-ursi), die auch häufig an ähnlichen Standorten wächst. Ein Blick auf die Unterseite der Blätter schafft Klarheit- bei den Preiselbeeren sind sie braun punktiert, bei der Bärentraube ist die Unterseite von einem bräunlichen Netz überzogen. Bärentraubenblättertee ist übrigens einer der besten Tees gegen Blasenentzündungen. Die Früchte sind ähnlich rot wie die der Preiselbeeren, schmecken aber mehlig fad.

Preiselbeeren und Heidelbeeren

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Preiselbeeren

Inhaltsstoffe

Die säuerlich-herben Preiselbeeren enthalten Carotin, B-Vitamine und Vitamin C. Dazu Kalium und Natrium in einem so günstigen Verhältnis, dass es Wasseransammlungen im Körper entgegenwirkt, Magnesium und vor allem Eisen. Dazu kommt ein hoher Gehalt an darmmobilisierenden Fruchtsäuren, Farbstoffen und Gerbstoffen.

Preiselbeeren als Medizin

Wer unter einer trägen Verdauung leidet, sollte fleißig Preiselbeerkompott essen. Bekannt geworden ist als vorbeugendes Mittel gegen Blasenentzündungen in erster Linie die nordamerikanische Verwandte der Preiselbeere, die großfrüchtige Cranberry (Vaccinium macrocarpon).

Bisher gingen die Forscher davon aus, dass Preiselbeeren den Gesundheitszustand der Harnwege durch die Ansäuerung des Harns fördern. Die aktuellen Ergebnisse unterstützen nun aber die Anti-Adhäsions-Eigenschaft der Preiselbeere. Vermutlich sind es die Proanthocyanidine in den Beeren, die Escherichia-coli-Bakterien davon abhalten, sich an die Zellen zu kleben und so eine Infektion auszulösen Von Cranberry gibt es Säfte und Lutschtabletten in Apotheken zu kaufen, die Menschen, die häufig an Harnwegsinfektionen leiden, schon vorbeugend einsetzen sollten. Aber auch die Wirkstoffe der Preiselbeeren haben die selbe Wirkung und auch von ihnen gibt es Präparate mit konzentrierten Wirkstoffen. Neueste Untersuchungen zeigten, dass die Eigenschaft, Bakterien am Anheften zu hindern auch für den Magen gelten kann und Preiselbeeren auch gegen den Helicobacter pylori, den man als Ursache der Gastritis betrachten, helfen können.

Preiselbeerblätter

Sie enthalten ähnlich wie Bärentrauben- oder Heidelbeerblätter Arbutin, ein in größeren Mengen giftiges Glykosid, Die Wirkung beruht darauf, dass dieses Arbutin in der Niere aufgespalten wird und dabei Hydrochinon entsteht, das eine desinfizierende Wirkung auf die Harnwege hat. Wenn also bereits eine Harnwegsinfektion aufgetreten ist, kann man natürlich auch Preiselbeersaft trinken, wirkungsvoller ist aber in diesem Fall, einen Tee aus den Blättern zuzubereiten: 2 TL der getrockneten Blätter mit 1Tasse heißem wasser überbrühen, 5 Minuten ziehen lassen und abseihen.

Sommerzeit- Einkochzeit

Wenn man die Möglichkeit hat, Beeren selbst zu sammeln, sollte man diese Zeit nützen. Doch auch im Handel sind die köstlichen Früchte erhältlich und so können wir Arznei zubereiten, die wunderbar schmeckt und die beste Vorsorge für kalte Herbsttage liefert. Gibt es eine angenehmere „Therapie“, als Heidelbeermarmelade zum Frühstück oder Preiselbeerkompott zum Kaiserschmarren?