Mobbing: Schikane am Arbeitsplatz
„Ich bin jetzt seit drei Jahren in der Firma. Ich glaube, mein Chef hat mich eingestellt, damit er auf mir herumhacken kann. Meine Kollegen lässt er in Ruhe, nur bei mir sucht er ständig Fehler oder er hat an meiner Arbeit etwas auszusetzten.
Wenn ich nicht schnell genug bin, schreit er mich manchmal richtig an. Was mich außerdem noch besonders ärgert ist, wenn er mir Dinge anschafft, die gar nicht in meinen Arbeitsbereich gehören - und für die mein Kollege zuständig ist."

dpa/Oliver Berg
Müde und ausgelaugt
"Ich bin die einzige Frau in unserer Abteilung und denke auch, das könnte auch ein Grund sein, warum er gerade mich so häufig schikaniert. Gesundheitlich geht es mir nicht sehr gut, ich schlafe sehr schlecht und fühle mich auch ständig müde und ausgelaugt.
Manchmal denke ich, es wäre besser, wenn ich kündigen würde. Ich brauche aber das Geld, weil ich geschieden bin und auch für meinen minderjährigen Sohn sorgen muss. Was kann ich tun, damit ich eine Änderung im Verhalten meines Vorgesetzten erreichen kann?“
Psychische und physische Probleme
Konflikte am Arbeitsplatz führen häufig zu psychischen und physischen Problemen. Wenn das Klima in der Arbeit so vergiftet ist, dass man nicht mehr abschalten kann, unter Schlafstörungen leidet und die Probleme schon das Privatleben belasten, dann kann das längerfristig zu gesundheitlichen Schäden führen.
Gemeint sind damit nicht Alltagskonflikte, die sozusagen „normal“ sind und überall dort vorkommen, wo Menschen zusammen leben und arbeiten und die durch Reden wieder beigelegt werden, sondern es geht um Extremfälle, wo es immer wieder zu Übergriffen und Ausgrenzung kommt. Mobbing am Arbeitsplatz gibt es zwischen KollegeInnen aber auch zwischen Vorgesetzten und MitarbeiterInnen.

APA/Tim Brakemeier
Mann mit Aktentasche
Wann spricht man von Mobbing?
Mobbing bedeutet, dass (zumeist) eine Person über einen längeren Zeitraum immer wieder Angriffen ausgesetzt ist und dass sie sich aus eigener Kraft nicht davon befreien kann. Die Angriffe können aus verletzenden Worten, drohenden Gesten oder auch aus Gesprächsverweigerung bzw. durch das Zurückhalten von Informationen bestehen.
Wie beginnt Mobbing?
Mobbing beginnt oft sehr schleichend, da fühlt sich der Täter durch ein Verhalten des Opfers vielleicht genervt und reagiert mit bösen oder spitzen Bemerkungen. Wenn kein klares Stoppzeichen vom Opfer kommt, dann geht das immer weiter und irgendwann kommt es zur öffentlicher Bloßstellung.
Wenn auch das funktioniert, das heißt, das Opfer ist hilflos und wehrt sich nicht oder die Zuseher greifen nicht ein, dann gibt man dem Täter die Macht, andere zu beleidigen oder lächerlich zu machen, ohne dass er Konsequenzen fürchten muss.

APA/David Ebener
Schattenriss von Mann mit Aktentasche
Was die Täter sagen
Sendungshinweis:
„Radio Burgenland Vormittag“, 1.8.2012
„Es war nicht so gemeint.“ „Sie ist selber schuld, sie hätte eben besser/schneller arbeiten sollen, persönlich habe ich ja nichts gegen sie.“ „Warum sagt sie mir das nicht selber, sie ist schon sehr empfindlich und verträgt keinen Spaß.“ „Ich habe kein Problem mit Ihm, wenn er eines mit mir hat, dann muss er schon selber kommen und mir das mitteilen.“ „Wissen Sie, wie sehr sie nervt? Fragen Sie doch die Kollegen.“ „Sie ist eine Mimose und heult wegen jedem Wort.“
Wie Opfer reagieren sollten
In den meisten Fällen fehlt es an Einfühlungsvermögen - oder die Schuld wird gleich dem Opfer in die Schuhe geschoben. Wie aber sollten Opfer auf Angriffe und unangemessen Worte beziehungsweise Taten reagieren?
- Nicht abwarten und glauben, dass sich die Lage von selber verbessert.
- Wenn Sie denken, dass reden keinen Sinn macht oder dass es sowieso nichts bringt, dann tragen auch Sie etwas dazu bei, dass ihre Situation immer schlimmer erscheint.
- Notieren Sie alle Vorfälle, um feststellen zu können, ob es sich um gezieltes Mobbing handelt. (Wer war dabei, wann und worum es sich gehandelt hat.)
- Überlegen Sie, mit wem Sie das Problem vorweg besprechen könnten.
- Wie reagieren Sie auf die Angriffe?
- Was könnten Sie möglicherweise ändern, um eine positive Veränderung herbeizuführen?
- Machen Sie einen Plan, wann und wie Sie das Gespräch führen möchten, welches Ziel Sie dabei verfolgen und wer Ihnen dabei behilflich sein könnte.
- Auch wenn Sie eine andere Stelle in Aussicht haben, sollten Sie die Dinge, die Sie belasten aussprechen und nicht einfach nur kündigen. Damit hätte der Täter gewonnen und Sie hätten die Gelegenheit verpasst, zu sagen, wie Sie bestimmte Dinge empfunden haben. Eine Aussprache trägt auch dazu bei, dass Sie bei einer anderen Arbeitsstelle besser mit den Kollegen und Vorgesetzten zurechtzukommen werden, indem Sie Ihre eigenen Bedürfnisse besser kennen und ausdrücken können.
- Wenn eine Aussprache keine Verbesserung sondern vielleicht sogar eine Verschlechterung des Arbeitsklimas bringt, sollten Sie sich unbedingt von professioneller Seite beraten lassen. Sie haben ein Recht auf ein anständiges Betriebsklima und eine faire Behandlung.
Publiziert am 01.08.2012

