Hilfe für Wetterfühlige

Drückend schwül oder heiß, dann wieder feucht und kühl - das Wetter führt derzeit bei vielen Menschen zu Beschwerden. Doch es gibt Hilfe gegen Wetterfühligkeit, sagt Gesundheitsexpertin Miriam Wiegele.

Die Erkenntnis, dass Wetter und Klima den menschlichen Organismus beeinflussen, ist sehr alt. Schon 400 vor Christus leitete er jede Krankheitsbeschreibung mit einer Wetterbeschreibung ein. Von ihm soll der Ausspruch stammen, dass sich Studierende der Medizin auch mit Wetterkunde beschäftigen sollten. Hippokrates kann somit als Vorläufer der Medizinmeteorologie betrachtet werden.

Wetter beschäftigt Team von Forschern

In Zusammenarbeit von Meteorologen, Biologen, Ärzten und Psychologen wird heute die Auswirkung des Wetters und des Klimas auf den Menschen erforscht. Es gibt eine Reihe von Forschungsstellen, die exakte medizinische Untersuchungen von Wetterfühligen machen und Behandlungsvorschläge erarbeiten. Andererseits wird auf der Basis der medizinmeteorologischen Erkenntnisse das tägliche „Biowetter“ erarbeitet, das in den Medien nachzulesen ist, wodurch Wetterfühlige wissen, was auf sie zukommt und sie sich mit nötigen Maßnahmen darauf einrichten können.

Frau hält Hand vor die Sonne

dpa-Zentralbild/Arno Burgi

Drei Wettertypen

Niemand kommt am Wetter vorbei. Unser vegetatives Nervensystem reagiert auf Wetterveränderungen stets in irgendeiner Form. Man unterscheidet drei verschiedene „Wettertypen“:

  • Der Wetterreagierende: Wetterreize werden ohne gröbere Beschwerden verkraftet. Man reagiert zwar auf das Wetter, hat aber nicht das Gefühl, unter dem Wetter zu leiden.
  • Der Wetterfühlige: Diese Menschen beginnen bei Wetterwechsel zu leiden. Das Wetter sorgt für deutliches Missempfinden, Herz- Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gereiztheit. Ursache ist eine Störung des vegetativen Nervensystems, das nicht fähig ist, den Organismus an die wechselnden Wetterbedingungen anzupassen.
  • Der Wetterempfindliche: Bereits bestehende Organschwäche oder chronische Grunderkrankungen werden durch Wetterfaktoren negativ beeinflusst. Zu diesen Grunderkrankungen zählen Herz- Kreislauferkrankungen, rheumatische Erkrankungen und Gelenksprobleme. Auch Operationsnarben und verheilte Knochenbrüche können plötzlich zu schmerzen beginnen. Üblicherweise bessern sich die Symptome 36 Stunden nach dem Eintritt des Wetterumschwungs.

Ursachen der Wetterfühligkeit

Das vegetative Nervensystem, das aus Sympathikus und Parasympathikus besteht, hilft, sich an Bedingungen, die sich ständig ändern, anzupassen. Unsere Lebensweise, die mit Belastungen und Stress verbunden ist, führt bei vielen Menschen dazu, dass das Wechselspiel der beiden nicht mehr funktioniert. Manche Menschen werden sympathikoton, der anregende Ast des vegetativen Nervensystem überwiegt. Die Folgen sind Herzprobleme, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, et cetera. Überwiegt der Parasympathikus wird man vagoton, leidet also unter ständiger Müdigkeit und Erschöpfung. Früher nannte man ein solches Ungleichgewicht „vegetative Dystonie“ und auch die Wetterfühligkeit zählt dazu.

Hitze plagt nicht nur Wetterfühlige

Eine beständige Hochdrucklage im Sommer sorgt für leichten Wind, viel blauen Himmel und für ausgeglichene Menschen. Das schöne Wetter lockt die Menschen ins Freie. Die UV- Strahlung kurbelt die Produktion von Vitamin D in der Haut an und das Gehirn produziert mehr Serotonin. Wenn jedoch ungewohnt brütende Hitze über längere Zeit über uns hereinbricht und es auch nachts kaum abkühlt, sind nicht nur Wetterfühlige besonders geplagt.

Sendungshinweis:

„Radio Burgenland Vormittag“, 11.6.2012

Hitzestress verursacht verschiedenen Symptome wie Aggressivität, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche bis hin zu Erschöpfungszuständen. Bei extremer Sommerhitze gibt es um 25 Prozent mehr Todesfälle, wie eine deutsche Statistik zeigt, mehr Verkehrsunfälle und auch die Zahl der Gewaltdelikte nimmt signifikant zu. Organisch betroffen ist vor allem das Herz, das bei Temperaturen ab 25 Grad Celsius pro Minute einmal häufiger schlägt. Ab einer Temperatur von 37°C ist die Gefahr eines Hitzeschlags groß, da der Schweiß nicht mehr richtig verdunsten kann und ein Wärmestau die Folge ist. Daher sollte man sich bei solchen Temperaturen primär im Schatten aufhalten und öfter mit kalten Wasseranwendungen abkühlen.

Vor allem ältere Menschen leiden unter der Hitze, da ihre Wärmeregulation nicht mehr so gut funktioniert. Das gilt auch für Kinder, bei denen sich die Wärmeregulation erst entwickeln muss.

Melisse

Miriam Wiegele

Melisse

Naturheilkundliche Maßnahmen zur Abkühlung

  • Kneippmaßnahmen wie wechselwarme Duschbäder, Fußbäder, Wassertreten, Trockenbürsten sind besonders gut geeignet, das vegetative Nervensystem wieder zu harmonisieren.
  • Genügend trinken: Wenn es sehr heiß ist, sollte man lauwarme Tees, zum Beispiel Pfefferminztee, trinken - und natürlich auch viel Wasser. Auch verdünnte Obstsäfte und dünne Kräutertees sind geeignet. Kaffee oder Schwarztee sollte man dagegen meiden, weil diese dem Körper Wasser entziehen. Auch Alkohol sollte nur moderat und in verdünnter Form - zum Beispiel ein Apfelmostspritzer - zugeführt werden.
  • Basenreiche Ernährung: Leichte Gerichte mit viel Gemüse und als Basis Getreide wie Reis oder Nudeln sind zu empfehlen. Viel Obst essen, Fleisch eher meiden.
  • Frische Luft tanken, denn von Sauerstoff durchflutete Zellen neigen weniger zu Schmerzen.

Heilpflanzen bei Wetterfühligkeit

In erster Linie wird man Heilpflanzen je nach Symptom einsetzen. Kopfschmerzen lindert man mit Pfefferminze: Entweder eine Kompresse, die in Pfefferminztee eingetaucht wird, auf die Stirn legen oder die Schläfen mit Pfefferminzöl betupfen. Kreislaufbeschwerden lindert man mit Weißdorn, entweder als Tee, Tinktur oder fertige Präparate aus der Apotheke. Auch Kampfer kann schnell helfen, es gibt Präparate in der Apotheke, die Kampfer enthalten und innerlich angewendet werden können.

Bei Erschöpfung wirken Bittermittel „tonisierend“, der Mensch fühlt sich bald gestärkt und auch die geistige Leistungsfähigkeit wird verbessert. Engelwurz als Tee oder Tinktur hilft ebenso wie Kondurango, den man als Tee nutzen kann oder noch besser als Medizinalwein. Auch der gelbe Enzian, als Tee oder tropfenweise als Tinktur hilft bei Erschöpfung.

Gegen nervöse Unruhe und Schlafstörungen wirken am besten Bäder mit Lavendelöl (pro Wanne 7 Tropfen in etwas Milch emulgieren) oder Melissenbäder (am besten frisches Kraut oder in getrockneter Form in ein Leinensäckchen füllen, unter den Wasserhahn der Badewanne hängen und das nicht zu heiße Wasser darüber rinnen lassen). Klinische Untersuchungen zeigten, dass Baldriantropfen (Tinctura valerianae) sich bei Schlaflosigkeit und nervöser Unruhe durch Wetterfühligkeit bedingt, besonders bewährt haben. Auch die Passionsblume (als Tee oder Tinktur) hat sich bei Wetterfühligkeit bewährt.

Jiao Gulan

Miriam Wiegele

Jiao Gu Lan

Adaptogen wirkende Heilpflanzen

Adaptogene sind pflanzliche Substanzen, die dem Organismus helfen, besser mit Belastungen fertig zu werden und sich Stress-Situationen, wie es wechselnde Wetterbedingungen für Wetterfühlige sind, besser anpassen zu können. Adaptogene sind nicht gegen bestimmte Krankheiten und Symptome gerichtet, vielmehr versetzen sie den Organismus in die Lage, sich gegen störende Einflüsse besser zu schützen. Vor allem bewirken Adaptogene, dass das vegetative Nervensystem besser in der Lage ist, auf wechselnde Bedingungen richtig zu reagieren und nicht dadurch aus dem Gleichgewicht zu geraten.

  • Melisse: Unsere altbekannte Heilpflanze, die sich leicht im eigenen Garten kultivieren lässt, hat ebenfalls adaptogene, also ausgleichende Wirkung. Sie hilft nicht nur bei Einschlafstörungen, nervösen Herzbeschwerden, nervösen Magen-Darm-Beschwerden und Erschöpfungszuständen. Sie kann auch grundsätzlich zur Behandlung von Wetterfühligkeit eingesetzt werden, was durch viele wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen ist. Am besten setzt man dafür die Melisse in Form einer Tinktur oder als „Melissengeist“ (einem Destillat von Melissenblättern) ein, wie er in der Apotheke erhältlich ist.
  • Taigawurzel: Bei besonders schweren Formen von Wetterfühligkeit, bei denen Müdigkeit, Schwäche, nachlassende Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit im Vordergrund stehen, kann die Taigawurzel, auch Sibirischer Ginseng genannt, eingesetzt werden. Sie ist eine der am stärksten adaptogen wirkenden Heilpflanzen. Es gibt sie in der Apotheke in Form einer Urtinktur oder als fertiges Präparat, zum Beispiel als Dragees. Achtung: Besser nicht bei Bluthochdruck und nicht länger als drei Monate einnehmen.
  • Jiao Gu Lan: Die neuerdings so populär gewordene Pflanze aus China hat ebenfalls adaptogen wirkende Inhaltsstoffe. Sie gilt als „Anti-Stress-Pflanze“ und hilft vor allem bei Wetterfühligkeitsproblemen mit Herz-Kreislauf-Symptomen. Mittlerweile wird die winterharte Kletterpflanze in vielen Gartencentern angeboten. Man macht aus den frischen Blättern einen Tee im Aufguss. Es gibt aber in Drogerien und Apotheken auch fertige Präparate in Form von Dragees, et cetera zu kaufen.

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