Sommer: Zeit der Partys und Reisen

Der Sommer ist die Zeit der Partys, der Festivals und des Reisens. Irgendwann kommt der Punkt, wo Jugendliche allein - ohne Eltern - etwas unternehmen wollen. Was dabei zu bedenken ist, weiß ORF-Burgenland-Erziehungsexpertin Veronika Pinter.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ein Teenager seinen Eltern mitteilt, dass er/sie bei Freunden übernachten wird oder dass alle Freunde zu einer mehrtägigen Open-Air-Veranstaltung fahren werden, dass alle anderen bereits die Zustimmung ihrer Eltern haben und dass es ungeheuer wichtig ist, dabei sein zu dürfen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Für viele Eltern stellt sich nun folgende Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, an dem ich mein Kind bei Freunden übernachten oder gar ein paar Tage zu einem Festival reisen lassen kann? Was ist zu bedenken, welche Probleme könnten entstehen und wie soll ich mit meinem Kind darüber reden?

Wie weit geht unsere Verantwortung als Eltern und was sagt das Gesetz dazu? Ab wann ist ein Teenager reif genug um größere Veranstaltungen besuchen zu dürfen oder ohne die Eltern zu verreisen?

Jugendliche tragen Schlauchboot

APA/Karl-Josef Hildenbrand

Jugendliche mit Schlauchboot

Unterschiedlich in Entwicklung

Jugendliche sind sehr unterschiedlich in ihrer Entwicklung, was zum Beispiel das Verantwortungsgefühl und die Verlässlichkeit betrifft, aber auch hinsichtlich der Erfahrungen, die sie in ihrem Leben bereits gemacht haben. Deshalb ist es sehr schwierig ein bestimmtes Alter zu nennen, ab dem man ihnen zutrauen kann, sich auch in ungewohnten Situationen zurechtzufinden.

Generell kann man aber davon ausgehen, dass ein Teenager ab 16 Jahren in der Lage ist, in einer Gruppe von Freunden und in Begleitung einer verlässlichen erwachsenen Person mit den verschiedenen Anforderungen, die auf Reisen oder bei einer Großveranstaltung entstehen können, zurechtzukommen. Jüngere Teenager sind schnell durch die vielen Eindrücke überfordert, weshalb die Eltern als Begleitpersonen zur Verfügung stehen sollten.

Jugendliche bei Festival im Schlamm

APA/Bernd Settnik

Jugendliche bei Festival im Schlamm

Was das Gesetz sagt

Im Burgenländischen Jugendschutzgesetz sind neben den allgemeinen Zielen zum Beispiel auch Ausgangsbestimmungen und die Plichten der Erziehungsberechtigten und der Begleitpersonen geregelt. Das Gesetz sagt, dass der Besuch von Veranstaltungen für Jugendliche bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres bis 22.00 Uhr und bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres bis 1.00 Uhr erlaubt ist.

Darüber hinaus dürfen junge Menschen bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres nur mit einer Begleitperson eine öffentliche Veranstaltung besuchen. Auch der Erwerb, Besitz oder Konsum von alkoholischen Getränken und Tabakwaren ist bis zum vollendeten 16. Lebensjahr verboten.

„Ich packe meinen Koffer...“

Was sollten Eltern tun, um ihr Kind möglichst gut auf die Reise oder Veranstaltung vorzubereiten? Wenn Ihr Kind eine mehrtägige Veranstaltung besuchen möchte oder eine Reise plant, dann sollten folgende Dinge besprochen werden:

  • Wer nimmt daran teil? – Namen und Telefonnummern der Freunde
  • Welche erwachsene Person fährt mit? – Name und Telefonnummer
  • Ausrüstung: Wenn im Zelt übernachtet wird, ist es wichtig, dass die Ausrüstung passt, denn die Nächte können kalt sein bzw. könnte es auch regnen. Neben Schlafsack und Luftmatratze ist auch eine Campingausrüstung (Sessel, Tisch etc.) zweckmäßig.
  • Kleidung: je nach Witterung, jedoch unbedingt auch warme Kleidung, Regenschutz und feste Schuhe
  • Mini-Apotheke für kleine Verletzungen
  • Mineralwasser, Kekse, Obst
  • Geld: Rechnen Sie damit, dass Ihr Teenager außer der Fahrt, Eintritt, Übernachtung auch noch Geld für Verpflegung und Getränke braucht. Rechnen Sie mit 25 bis 30 Euro pro Tag!

Über Alkohol und Drogen reden

Jugendliche wollen sich von den Eltern abgrenzen. Das Austesten von Risiken und das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit ihnen gehört zu dieser Entwicklungsstufe dazu. Die Rolle der Eltern ändert sich – von der lenkenden, beschützenden zur begleitenden und unterstützenden Rolle. Verbote sind kontraproduktiv, deshalb ist es besser, wenn Sie gemeinsam mit Ihren Teenagern Regeln und Vereinbarungen aufstellen, was den Konsum von Alkohol betrifft.

Besprechen Sie mit Ihrem Kind das Jugendschutzgesetz und verwenden Sie dieses als Grundlage: Für Jugendliche bis 16 Jahre gilt absolutes Alkoholverbot. 16- bis 18-Jährige: Wein, Bier und Sekt sind erlaubt, hochprozentige Alkoholika und andere berauschende Substanzen sind verboten.

Jugendlicher hinter Flaschen

APA/Jens Büttner

Jugendlicher hinter Flaschen

Alkohol senkt die Hemmschwelle

Alkohol senkt die Hemmschwelle, wodurch die Bereitschaft für sexuelle Abenteuer steigt. Es kann unter Alkoholeinfluss viel leichter zu ungeschütztem Verkehr und verheerenden Folgen (Geschlechtskrankheiten, ungewollte Schwangerschaft) kommen.

Zudem steigert Alkohol die Gewaltbereitschaft – Beleidigungen, Vandalismus, Raufereien und Vergewaltigungen stehen häufig in Verbindung mit Alkohol, wobei den Jugendlichen die negativen Auswirkungen dieser Straftaten auf ihr weiteres Leben nicht bewusst sind.

Sendungshinweis:

„Radio Burgenland Vormittag“, 20.6.2012

Verständigung per Handy

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, wie oft es sich bei Ihnen melden soll. Reden Sie mit Ihrem Kind, dass Sie zumindest nach der Ankunft und im Problemfall verständigt werden wollen.

Vergessen Sie nicht, dass man kann nicht immer und überall mit einem lückenlosen Handynetz rechnen kann, weshalb Sie nicht gleich überreagieren sollten, wenn sich das Kind nicht zur vereinbarten Zeit meldet. Zur Sicherheit sollten Sie deshalb auch die Telefonnummer der Begleitperson bzw. einiger Freunde zur Verfügung haben. Und vergessen Sie eines nicht: Vertrauen Sie Ihrem Kind!