Tourismus leidet unter Personalmangel

Viele Betriebe stöhnen über den Personalmangel in der Tourismusbranche. Im April waren im Tourismusbereich 238 offene Stellen beim AMS Burgenland ausgeschrieben, um 44 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch Lehrlinge werden dringend gesucht.

Viele Gastwirte sind mit den Nerven am Ende. Sie finden kein Personal, weder Fachkräfte noch Lehrlinge. Im April sind im Burgenland auf neun Lehrstellensuchende 20 offene Lehrstellen gekommen. Ohne Arbeitskräfte aus den Nachbarländern müssten manche Lokale sofort zusperren.

Personalmangel im Tourismus: Gastronomie und Tourismus

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Personal wird dringend gesucht

Ohne Arbeitskräfte aus den Nachbarländern müssten manche Lokale sofort zusperren. „Wir haben ein Verhältnis von 60 Prozent zu 40 Prozent: 60 Prozent haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. Ein Großteil davon pendelt täglich über die Grenze und kommen ins Burgenland, um hier in diesem Bereich zu arbeiten“, so Sengstbratl.

Wertschätzung zu gering

Ein Küchenchef verdient anfangs laut Kollektivvetrag 2.000 Euro brutto im Monat. Eine Hilfskraft im Service 1.500 Euro brutto. Abgesehen von der Bezahlung seien die Arbeitszeiten und die geringe Wertschätzung der Arbeit ein Grund, warum sich kaum junge Menschen für einen Beruf in der Gastronomie und Hotellerie interessieren, heißt es im aktuellen Bericht des AMS an den Rechnungshof.

Personalmangel im Tourismus: Gastronomie und Tourismus

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Personalmangel im Tourismus: Gastronomie und Tourismus

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Die St. Martins Therme in Frauenkirchen (Bezirk Neusiedl am See) beschäftigt derzeit 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 20 Lehrlinge. „Wir nehmen bewusst diese Lehrlingsausbildung in Kauf und wissen, dass uns die Mitarbeiter zum Teil auch verlassen. Sie sind international unterwegs und wir forcieren das sogar. Wir verbleiben mit den Mitarbeitern so: Geh einige Jahr auf Saison, komm dann wieder zurück und bring uns das bei, was du international gelernt hast“, erklärt Geschäftsführer Klaus Hofmann.

Fachkräfte sind Mangelware

Tourismuslandesrat Alexander Petschnig von der FPÖ im Gespräch mit „Burgenland heute“-Moderator Martin Ganster.

Freizeit wichtiger als Einkommen

Eine der Lehrlinge in St. Martin ist die Wienerin Michelle Hütter. Sie befindet sich im dritten Lehrjahr in ihrer Ausbildung als Servicekraft. „Ich habe den Beruf gewählt, weil ich gerne mit Menschen arbeite und gerne draußen bin. Es macht mir Spaß, Teller zu tragen und zu servieren“, so Hütter.

Personalmangel im Tourismus: Gastronomie und Tourismus

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Maximilian Haider und Michelle Hütter

Ihr Kollege Maximilian Haider aus Illmitz betont, wie wichtig ihm Freizeit neben dem Berufsleben ist. „Man lebt nur einmal. Man kann nur einmal mit seinen Freunden und der Familie etwas machen“, so Haider. Trotzdem habe er sich für die Lehre in der St. Martins-Therme entschieden, weil er ihm viel Spaß macht.

Ein Lehrling verdient im ersten Lehrjahr 720 Euro. Mehr Geld würde wohl mehr Interesse für die Jobs wecken: „Ich würde meinen Mitarbeitern gerne mehr bezahlen. Die Arbeit, die sie machen, ist mehr wert als das was sie dafür bekommen. Ich kann aber das Doppelte nicht zahlen. Die Nebenkosten sind relativ hoch und es wär schon schön, wenn den Mitarbeitern mehr bleiben könnte“, so Andreas Karner vom Seewirt in Podersdorf.