Musikalisches Denkmal für Fluchthelfer

Im Sommer 1989, kurz vor dem Fall der Mauer, flohen tausende DDR-Bürger über Ungarn und Österreich in den Westen. Viele mutige Burgenländer halfen ihnen dabei. Die deutsche Rockband „Kettcar“ setzte den Fluchthelfern von damals jetzt ein musikalisches Denkmal.

Ein Zeitungsartikel über ein Ehepaar aus Mörbisch inspirierte Marcus Wiebusch, Kopf der Band „Kettcar“, zu dem Lied „Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“. Darin wird die Geschichte eines jungen Westdeutschen erzählt, der ins Burgenland reist, einen Bolzenschneider kauft und drei Familien in der Nacht von der ungarischen Grenze nach Österreich begleitet. „Als ich das las, dachte ich ‚Was für Helden‘. Und da habe ich gedacht, dass ich einen Song darüber schreibe“, so Wiebusch.

Marcus Wiebusch

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Marcus Wiebusch, Sänger der Band „Kettcar“

Zeitungsartikel über DDR-Flüchtlinge im Burgenland

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Dieser Zeitungsartikel inspirierte Wiebusch

Kettcar ist eine deutsche Rockband aus Hamburg, die im Jahr 2001 gegründet wurde. Musikalisch einzuordnen sind Kettcar im Bereich des deutschsprachigen Indie-Rock und Indie-Pop. Das Lied „Sommer ’89“ erschien im August 2017. (Quelle. Wikipedia)

Fluchthelferin für 500 DDR-Bürger

Die Impulsgeberin aus Mörbisch, Berthilde Kanitsch, sammelte all ihre Erinnerungen an den Sommer 1989 in einer Kiste. „Wenn man helfen kann, hilft man. Als Heldin würde ich selbst mich nicht bezeichnen. Das war so. Man ist ja froh, wenn man wem helfen kann“, sagt sie in einem Interview mit dem ORF Burgenland. Gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Martin, lotste Berthilde Kanitsch damals an die 500 DDR-Bürger in die Freiheit. "Das ist super.

Das gefällt mir", lacht Kanitsch, als sie den Song „Sommer ’89“ zum ersten Mal hört. Sie ist gleichzeitig gerührt und meint: „Es ist zwar schon so lange her, aber immer wieder berührt mich das.“

Berthilde Kanitsch

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Berthilde Kanitsch und ihr Ehemann halfen vielen DDR-Flüchtlingen

Burgenländische Pension in einem deutschen Song

Im Song „Sommer ’89“ wird auch die Mörbischer Pension Peterhof besungen. Die Besitzerin Angelika Glavanovits war selbst sehr erstaunt darüber. „Ein deutscher Urlaubsgast aus München hat uns eine Email geschrieben und meinte ‚Ihr müsst euch unbedingt diesen Song anhören, euer Pensionsname kommt hier vor‘“, so Glavanovits.

Flucht über die burgenländische Grenze

Im Lied „Sommer ’89“ kommt das Burgenland an vielen Stellen vor.

Marcus Wiebusch entdeckte die Unterkunft im Internet, wie er im Interview aufklärt. „Peterhof - ich finde, das ist ein toller Name für eine Pension. Da hat man sofort Bilder im Kopf.“ Peter Glavanovits will daraus jetzt sogar ein Marketingkonzept entwickeln. „Wir haben überlegt, ob wir Führungen zum Eisernen Vorhang machen und dabei dieses Lied vorkommen lassen.“

Voraussichtlich im Mai 2018 werden Wiebusch und seine Band „Kettcar“ das Burgenland auch persönlich kennenlernen. Geplant ist ein Konzert in der Cselley-Mühle in Oslip.

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