Orkan verwüstet Teile des Burgenlandes

Ein Sturm, der sich über alle Landesteile erstreckte, hat vielen Feuerwehren im Burgenland eine unruhige Nacht beschert. Rund 400 Einsätze mussten die Helfer seit Donnerstagabend abarbeiten. An die 170 Wehren waren im Einsatz.

Begonnen habe alles etwa gegen 21.45 Uhr, als im gesamten Burgenland heftige Sturmböen und Regenschauer einsetzten, berichtete Barbara Tader von der LSZ. Der Wind deckte Häuser ab, umgestürzte Bäume blockierten Straßen, es kam zu Stromausfällen. „Gegen 3.00 Uhr Früh haben wir dann eine Entspannung gespürt“, sagte Tader.

Gäste retten sich vor dem Sturm

Im Katamaran in Rust filmte Michael Heilmann mit, als sich die Gäste vor dem Sturm ins Innere des Gebäudes retteten.

Verwüstung oft erst in der Früh sichtbar

Anfangs hatte sich das Unwettergeschehen noch auf das Mittel- und Südburgenland konzentriert. Im Nordburgenland habe es zunächst vereinzelte Einsätze gegeben, deren Zahl gegen Morgen hin dann jedoch anstieg. Oft wurden Schäden erst bemerkt, als die Menschen in der Früh ihre Häuser verließen. Spuren der Nacht waren für viele Autofahrer sichtbar: auf den Straßen lagen Blätter sowie kleinere und größere Äste verstreut, die der Wind abgerissen hatte, Mülltonnen waren umgeworfen.

Sturmschäden im Süden des Landes

Die Feuerwehr Pinkafeld (Bez. Oberwart) war Donnerstagnacht mit 22 Mitgliedern im Einsatz. Bis in die Morgenstunden mussten umgestürzte Bäume von den Straßen entfernt werden. Der Güterweg zwischen Buchschachen und Riedlingsdorf wurde von Dutzenden Bäumen blockiert. „In der Dorfscheune waren viele Leute, die das Lagerfeuer genossen haben. Plötzlich kam eine Windhose, die Kasse, sämtliche Kübeln mit Koteletts und Semmeln flogen durch die Luft. Es war furchtbar“, erzählt Engelbert Goger, der an einem Fest in der Dorfscheune teilnahm.

In Riedlingsdorf wurden einige Dächer beschädigt. Auch in Litzelsdorf tobte ein Sturm. „Ich habe mich nichteinmal schlafen gehen getraut, die Sesseln hat es durch die Gegend geschleudert, das wird immer ärger“, erzählt Roswitha Bieber.

Unwetter in Güssing

Josef Keglovits aus Güssing machte ein Video vom Unwetter in Güssing.

100 zerstörte Folientunnel in Wallern

In Wallern (Bez. Neusiedl am See) dürfte der Sturm insgesamt um die 100 Folientunnel zerstört haben. „Die Ernte ist zerstört, pro Tunnel sind das ungefähr 5.000 Euro Schaden, das muss ich erst zusammenrechnen. Der Sturm ist richtig in den Tunnel hineingefahren und hat ihn von der Seite eingedrückt“, erzählt Harald Habauer. Die meisten Tunnel seien nicht zu reparieren und müssen durch neue ersetzt werden, so Halbauer im Interview mit dem ORF Burgenland. Auch andere Bauern seien betroffen, so Halbauer.

Dach der Volksschule Wulkaprodersdorf abgedeckt

In Wulkaprodersdorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) etwa deckte der Wind das Dach der Volksschule komplett ab. Auch Klingenbach wurde von orkanartigem Sturm heimgesucht, der viele Bäume umstürzen ließ, berichtete die örtliche Feuerwehr. 25 Einsatzkräfte machten bis Mitternacht unter anderem die auf einer Länge von etwa 700 Metern immer wieder durch Bäume blockierte B17 wieder befahrbar. Auch in rund zehn Gassen mussten Bäume von der Straße geschafft werden. Um 6.00 Uhr alarmierte das Heulen der Sirene die Helfer dann erneut.

Dach der Volksschule abgedeckt

Viktoria Iwanschitz/FF Wulkaprodersdorf

Das Dach der Volksschule Wulkaprodersdorf wurde abgedeckt

40.000 Haushalte ohne Strom

Der orkanartige Sturm in der Nacht auf Freitag hat im Burgenland auch den Stromleitungen arg zugesetzt. Bis zu 40.000 Haushalte seien vorübergehend ohne Strom gewesen, teilte die Netz Burgenland mit. Vor allem im 20-kV-Netz und im Niederspannungsbereich habe es zahlreiche Störungen gegeben.

Sturmschäden an einem Wirtschaftsgebäude

Bgld. Landwirtschaftskammer/Steinhofer

Dächer wurden durch den Orkan abgedeckt

Die großteils durch umgestürzte Bäume verursachten Stromausfälle begannen um 20.45 Uhr, betroffen davon waren alle Bezirke. 21 Monteure im Außendienst und sieben Techniker in der Netzleitstelle standen im Dauereinsatz, um Störungen zu beheben. Sechs Notstromaggregate waren am Vormittag weiter im Einsatz.

Die Ausfallsdauer reichte nach Angaben der Netz Burgenland von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden. Die Reparatur- und Aufräumungsarbeiten dauerten noch an. Am Vormittag waren rund 800 Haushalte ohne Strom. Für das Wochenende ist ein erhöhter Bereitschaftsdienst vorgesehen.

Störungsbehebungen im öffentlichen Verteilnetz werden durch die Mitarbeiter der Netz Burgenland erledigt. Für die Haushalte stünden die heimischen Top-Netz-Partner - hier kooperiert die Netz Burgenland GmbH mit der Landesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm-und Kommunikationstechniker - rund um die Uhr mit einem Strom-Pannendienst zur Verfügung, hieß es.

Freibad in Eisenstadt gesperrt

In Eisenstadt wurden in der Nacht auf Freitag Windgeschwindigkeiten von über 117 km/h gemessen. Die halbe Mannschaft des Bauhofs war bis Freitagfrüh im Einsatz, um die gröbsten Schäden zu beseitigen - umgeworfene Bauzäune und Plakatwände, entwurzelte Bäume und abgerissene Äste. Der Schlosspark ist bis Mitte nächster Woche gesperrt und auch das Freibad muss aufgrund der Aufräumarbeiten vorübergehend geschlossen bleiben.

Parkbad in Eisenstadt gesperrt

ORF

Das Freibad in Eisenstadt wurde gesperrt

Bernhard Göschl vom Seepark Weiden erzählt im Interview mit Radio Burgenland-Moderator Thomas Hochwarter, welche Schäden der Sturm angerichtet hat. „Es war ein Inferno, so etwas haben wir noch nie erlebt“, so Göschl.

Mauer durch Sturm umgefallen

Günter Welz

In St. Margarethen stürzte durch den starken Sturm die Mauer am Sportplatz um

Windgeschwindigkeiten von 130 km/h in Weiden

Die höchste Windgeschwindigkeit wurde in Neusiedl am See gemessen. Der Orkan fegte dort mit 130 km/h über die Stadt. Auf dem Neusiedler See mussten in der Nacht auf Freitag mehrere Segler aus Seenot gerettet werden. Sie hatten die Wettersituation offenbar unterschätzt.

Vor allem umgestürzte Bäume, die die Straßen blockierten, mussten aus dem Weg geschafft werden. Durch den heftigen Wind wurden auch zahlreiche Dächer abgedeckt, so etwa in Wulkaprodersdorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung). Dort wurde das Dach der Volksschule zum Teil abgetragen. Auch am Freitagmorgen waren die Aufräumarbeiten in vielen Gemeinden des Landes noch im Gange.

Bilder der Verwüstung aus Weiden am See

Auch in Weiden am See zog der Orkan eine Schneise der Verwüstung, wie dieses private Video zeigt.

LWK spricht von Millionenschaden

Die Landwirtschaftskammer (LWK) spricht bereits von einem Millionenschaden. Die Folientunnel seien zu zwei Drittel, Glashäuser gänzlich versichert. Auch bei Mais verzeichne man lokale kleinere Sturmschäden, heißt es. Der verursachte Schaden wird nach ersten vorsichtigen Schätzungen mit über einer Million Euro angenommen. Ein genaueres Schadensausmaß kann erst nach Begutachtung durch die Sachverständigen der Hagelversicherung angegeben werden, so die Landwirtschaftskammer.

Schäden im Weingarten

Bgld. Landwirtschaftskammer/Steinhofer

Ein zerstörter Weingarten in Pamhagen

Sturmschäden Unwetter - zerstörte Weingärten in Kleinhöflein

Sandra Ackerl

Auch in Kleinhöflein zerstörte das Unwetter die Weingärten

Zugstrecken und Straßen gesperrt

Infolge der Unwetterschäden kam es auch zu mehreren Unterbrechungen von Zugstrecken im Burgenland und in Niederösterreich. Die ÖBB meldete auf ihrer Homepage am Freitag, dass zwischen Wulkaprodersdorf und Eisenstadt voraussichtlich bis 12.00 Uhr keine Züge fahren können. Ab 6.00 Uhr werde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, hieß es.

Auch die Raaberbahn wird zwischen Neusiedl am See und Bad Neusiedl am See bis zu Mittag wird nicht verkehren. Die Ostbahnstrecke zwischen Wien Stadlau und Marchegg war unterbrochen. Ausfälle infolge der Unwetterschäden gab es auch zwischen Bad Sauerbrunn und Mattersburg sowie zwischenzeitlich zwischen Bruck an der Leitha und Nickelsdorf.

Laut Ö3 war auch die A4 (Ostautobahn) stundenlang gesperrt, weil zahlreiche Bäume auf die Fahrbahn gestürzt waren. Mit Schneeräumfahrzeugen räumten die Einsatzkräfte Bäume weg. In den frühen Morgenstunden war ein Fahrstreifen wieder frei, die Aufräumarbeiten dauerten weiter an.

Für das anstehende Wochenende bleiben auch die Feuerwehren in Alarmbereitschaft.

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