Seefestspiele: Edelmann statt Pichowetz

Gerald Pichowetz hätte am 1. Jänner 2018 die Intendanz der Seefestspiele Mörbisch übernehmen sollen. Nun wurde bekannt, dass er das Amt nicht antreten wird. Als neuer künstlerischer Direktor wurde Peter Edelmann bestimmt.

Was genau hinter den Kulissen gelaufen ist, darüber gibt es momentan viele Gerüchte. Die Spekulationen reichen von Kostenexplosion der Produktion 2018 bis hin zu unterschiedlichen künstlerischen Ansichten über die Ausrichtung des Festivals. Bestätigt ist allerdings von Geschäftsführung und Vorstand der Seefestspiele Mörbisch, dass der Vertrag mit Pichowetz einvernehmlich gelöst wurde.

Gerald Pichowetz

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Pichowetz bei seiner Präsentation im Oktober 2016

Pichowetz im Gespräch mit ORF-Burgenland-Redakteurin Silvia Freudensprung-Schöll

Edelmann: „Wir ziehen alle an einem Strang“

Am Mittwochnachmittag präsentierte Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ) den Nachfolger von Pichowetz. Der Sänger Edelmann wird ab 2018 der künstlerische Direktor der Seefestspiele sein. Edelmann betonte die Wichtigkeit der Teamarbeit: „Wir ziehen alle an einem Strang. Wir wissen, was es für eine Verantwortung ist, Mörbisch zu leiten.“ Er sei „davon überzeugt, dass wir Mörbisch in eine gute Richtung bringen können“.

Peter Edelmann und Helmut Bieler

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Peter Edelmann und Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ)

Der 1962 in Wien geborene Edelmann debütierte nach einer Gesangsausbildung in der Rolle des Herrufers in Richard Wagners „Lohengrin“ am Stadttheater Koblenz. Seine Engagements brachten ihn in der Folge an die Deutsche Oper Berlin, die Wiener Staatsoper und Volksoper sowie auch nach Mörbisch. Seit 2001 ist Edelmann freischaffend tätig und hat seinen Lebensmittelpunkt in Wien. 2005 gründete er mit seiner Frau Sylvia Saavedra Edelmann die „Otto Edelmann Society“, die sich zur Aufgabe gemacht hat, jungen Sängern den Weg in den Beruf zu erleichtern. Seit 2010 ist Edelmann Professor am Institut für Gesang und Musiktheater der Musikuni Wien, dessen Vorstand er seit 2014 ist.

Peter Edelmann

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Peter Edelmann bei einem Auftritt in Mörbisch im Jahr 1996

Pichowetz Bester beim Hearing

Aufgrund der Umwandlung der Seefestspiele Mörbisch in eine GmbH war im Vorjahr eine Neuausschreibung der Intendanz notwendig geworden. Das Hearing im vergangenen Herbst konnte Pichowetz für sich entscheiden - mehr dazu in Gerald Pichowetz neuer Mörbisch-Intendant. Der als „Fünfer“ aus der TV-Serie „Kaisermühlen Blues“ bekannte Schauspieler und Theaterintendant nannte damals als eines seiner Ziele, man wolle sich in Mörbisch beim Unterhaltungstheater innerhalb des Musiktheaters „auf höchstem Niveau“ bewegen. Nun ist seine Intendanz aber bereits vorbei, bevor sie begonnen hat.

Vor 60 Jahren gegründet

Die Seefestspiele Mörbisch wurden vor 60 Jahren von dem deutschen Kammersänger Herbert Alsen gegründet. Einen Höhenflug erlebte das Festival unter der Intendanz von Harald Serafin, der 20 Jahre künstlerischer Leiter war. Seit 2013 ist Dagmar Schellenberger Intendantin der Seefestspiele Mörbisch. Ihr Fünfjahresvertrag läuft mit Ende der Saison 2017 aus. Ihre letzte Produktion ist „Der Vogelhändler“ - mehr dazu in Seefestspiele: „Vogelhändler“ zum Jubiläum.

ÖVP: „Wie hoch sind verschlungene Steuergelder?“

Die ÖVP zeigt sich über die Geschehnisse verärgert. Kultursprecher Franz Steindl hinterfragt den Nutzen des Hearings. „Wie hoch sind die verschlungenen Steuergelder, die die Ausschreibung, das Hearing durch eine unabhängige Expertengruppe verursacht haben? Muss das Land Burgenland nun erneut Schadenersatzzahlungen leisten?“, so Steindl in einer Aussendung. Steindl habe eine schriftliche Anfrage an Landesrat Bieler gestellt.

Kritik gibt es auch von Manfred Kölly, Chef des Bündnis Liste Burgenland (LBL). „Das ganze Szenario rund um die Bestellung von Pichowetz, sprich die Ausschreibung und das Hearing durch Experten hat mit Sicherheit auch einiges an Steuergeld vernichtet“, so Kölly.

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