Skandale von einst: Schau am Friedrichshof
Das Archiv des Friedrichshofs war jahrelang gesperrt, erst im heurigen Frühjahr wurde es geöffnet. Der 59-jährige, deutsche Videomacher Marcel Odenbach hat das Material bearbeitet. Er hat sich mit der Sammlung Friedrichshof intensiv beschäftigt. Für seine Ausstellung hat der Kölner im Archiv des Friedrichshof stundenlang gesichtet.
„Die Materialien sind natürlich unglaublich intensiv, weil man den Menschen die man nicht kennt, sehr nah ist. Es hat ja fast manchmal sogar was ganz intimes und es hat auch fast was schmerzhaftes. Wenn acht Stunden lang Menschen ununterbrochen schreien, dann nimmt das einen mit“, sagt Marcel Odenbach.

ORF
Bild einer Aktion auf dem Friedrichshof

ORF
20 Jahre gesperrt
Es ist daher nicht selbstverständlich, dass das umfangreiche Archiv der „Aktions-analytischen Kommune“ geöffnet wird. 20 Jahre lang war es gesperrt.
„Es hat eine Zeit lang gedauert, bis es möglich war. Man musste die Leute in Gesprächen überzeugen. Es gab heiße Diskussionen, es gab letztes Jahr nach 20 Jahren wieder ein großes Treffen der Ex-Kommunarden. Und es hat dann doch jetzt mehr als eineinhalb Jahre gedauert, bis der kollektive Beschluss gefallen ist, dass man das Archiv öffnet“, sagt Hubert Klocker, Leiter der Sammlung Friedrichshof.

ORF
Die Ergebnisse der Archiv-Aufarbeitung sind in einer Ausstellung zu sehen
Die Vergangenheit im Bild
Seit dem Frühjahr 2012 ist das Archiv nun für Wissenschafter und für Künstler wie Marcel Odenbach geöffnet. Er hat sich in seinen Collagen auf Papier und Video mit der Vergangenheit des Friedrichshof auseinandersetzt, indem er zum Beispiel die Psychoanalyse - Sigmund Freuds Couch - einer Szene mit einer Matratze gegenüberstellt.
„Das hat mich halt wirklich interessiert, dass es wirklich noch einen ganz starken Dialog gab zwischen Mühl selbst als Therapeuten und dem Patienten selbst, unter Anführungsstrichen“, sagt Marcel Odenbach.

ORF
Der deutsche Videokünstler Marcel Odenbach gestaltete die Ausstellung
Suche nach Schutz
Und Odenbach sucht auch die Antwort auf die Frage, warum sich Menschen einem Guru wie etwa Otto Muehl überantworten. „Da glaub ich, dass viele Menschen einfach wirklich den Schutz suchen von so einer Gemeinschaft oder auch von einer Ideologie oder eine Vision.“
Die Ausstellung „Schutzräume“ von Marcel Odenbach ist bis 30. März 2013 in der Sammlung Friedrichshof zu sehen.
Publiziert am 10.10.2012

