Details aus den Gemeinden

Die Gemeinderatswahlen sind geschlagen. In 158 Gemeinden steht bereits fest, wer der neue Bürgermeister ist - in 13 Gemeinden muss es am 4. November eine Stichwahl geben. Hier Detailergebnisse aus den Gemeinden.

Statistisch gesehen verzeichnet die SPÖ die größten Gewinne, nämlich um die 30 Prozentpunkte - in Heiligenbrunn, Eberau, Moschendorf, Tobaj und Strem. In diesen Gemeinden ist sie allerdings jeweils gemeinsam mit einer Bürgerliste angetreten.

Größte Gewinne für SPÖ

In Heiligenkreuz an der Lafnitz ist der Zugewinn der SPÖ mit mehr als 16 Prozentpunkten ebenfalls sehr hoch. Das dürfte dem Spitzenkandidaten Eduard Zach zuzuschreiben sein, der die Gemeinde von Schwarz auf Rot gedreht hat - mehr dazu in Heiligenkreuz: ÖVP verliert Mehrheit.

Die größten Verluste hat die SPÖ - neben Marz, wo sie nicht angetreten ist und Tschanigraben, wo sie zum ersten Mal seit Jahren eine ÖVP Konkurrenz bekommen hat, in Potzneussiedl, wo sie über 23 Prozentpunkte verloren hat - mehr zur Situation in Tschanigraben in Die ersten Ergebnisse. Profitiert hat davon in Potzneusiedl die ÖVP, sie gewinnt hier am meisten nämlich über 33 Prozentpunkte.

Große ÖVP-Gewinne in Mogersdorf

Große Gewinne für die ÖVP gibt es natürlich auch in Marz und Tschanigraben - mehr dazu in Marz: Stimmenzuwachs für ÖVP. Auffallend ist auch noch Mogersdorf mit plus 15 Prozentpunkten für die ÖVP - mehr dazu in Mogersdorf: ÖVP dominiert auch Gemeinderat. Große Verluste für die ÖVP gibt es in Ritzing, in Hannersdorf und in Kukmirn - mehr dazu in Kukmirn: ÖVP verliert Mehrheit im Gemeinderat.

Freiheitliche punkten in Mühlgraben

Die Freiheitlichen punkten in Mühlgraben, wo sie von 0 auf 21 Prozent kommen, in Bruckneudorf und in Rauchwart. Große Verluste hingegen in Oberschützen, wo ja nach einem Streit die FPO angetreten ist, in Deutsch Jahrndorf und in Potzneusiedl, wo die FPÖ diesmal nicht angtreten ist.

Grüne: Von 0 auf 15 Prozent in Weiden am See

Die Grünen feiern die größten Gewinne in Weiden am See, wo sie aus dem Stand 15 Prozent erreichen, in Großwarasdorf, in Oslip und in Oberwart. Große Verluste für sie gibt es hingegen in Nickelsdorf, Mörbisch und Steinberg-Dörfl.

Liste Burgenland: Erfolg in Großhöflein

Und die Liste Burgenland fährt den größten Gewinn - laut Statistik - in Deutschkreutz beziehungsweise Großhöflein ein, allerdings ist sie hier unter einem neuen Namen angetreten. Verluste hingegen gibt es in Breitenbrunn, Deutsch Kaltenbrunn und Bruckneudorf, da sie hier gar nicht mehr angetreten ist.

Insgesamt stellt die SPÖ 1.511 Gemeinderäte, die ÖVP 1.363. Für beide Parteien sind das leichte Verluste. Die Freiheitlichen stellen 81, die Grünen 27, die Liste Burgenland 39 und sonstige Listen 133 Gemeinderäte .

In elf Gemeinden regiert der Bürgermeister künftig ohne Mehrheit im Gemeinderat. In zwölf Gemeinden wurde der amtierende Bürgermeister abgewählt.

Kaum Änderungen in den Bezirken

In den Bezirken hat sich an der grundlegenden Situation wenig geändert. So sind die Bezirke Neusiedl am See, Eisenstadt Umgebung, Mattersburg, Oberpullendorf und Oberwart - nach den prozentuellen Stimmanteilen - nach wie vor rot dominiert, in den Bezirken Güssing und Jennersdorf hat die ÖVP mehr Stimmen bekommen.

Auch die Verteilung der Bürgermeister spiegelt das überall wider, außer im Bezirk Neusiedl am See. Hier hat die SPÖ zwar prozentuell mehr Stimmen bekommen, stellt aber genauso viele Bürgermeister wie die ÖVP, nämlich elf. Noch, denn das kann sich nach dem 4. November noch ändern, wenn es in jenen 13 Gemeinden, wo kein Bürgermeisterkandidat die absolute Mehrheit bekommen hat, zu einer Stichwahl kommt.

Ergebnisse in der Analyse

An Stimmen und Mandaten hat es bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen keine gewaltigen Verschiebungen gegeben. Stellt sich die Frage, welche Lehren die Parteien und Kandidaten trotzdem aus diesem Ergebnis ziehen können. Eine Analyse von ORF-Burgenland-Chefredakteur Walter Schneeberger.

Nun für SPÖ und ÖVP ist die Botschaft klar: Sie sind in den Gemeinden unumstritten die dominanten Kräfte, die SPÖ noch immer weit mehr als die ÖVP. Politikverdrossenheit, sinkende Sympathiewerte, Erfolg mit Populismus - alles kein Thema in den 171 Gemeinden.

Da zählen Persönlichkeit, Vertrauen und Lösungskompetenz der Kandidaten mehr als Parteiprogramme - kein Wunder, kann doch fast jeder Wähler unmittelbar die Qualität der Spitzenkandidaten überprüfen. Das haben auch einige langdienende Bürgermeister und aus dem Hut gezauberte Newcomer schmerzhaft zu spüren bekommen. Denn offenbar waren diese Faktoren wahlentscheidend - weit mehr als traditionelle Parteitreue.

Die FPÖ musste ebenfalls schmerzhaft zur Kenntnis nehmen, dass Aggressivität und persönliche Angriffe auf Gemeindeebene nicht goutiert werden. Alle Wahlziele wurden verfehlt: Kein Kandidat in der Stichwahl, oder sogar Bürgermeister, nur 81 statt der angepeilten 100 Mandate.

Die Grünen konnten zwar gegenüber 2007 einen Respekterfolg erzielen und freuen sich zurecht über Zuwächse bei den Mandaten. Langfristig werden sich die Grünen aber etwas überlegen müssen, wenn sie weiter den Anspruch stellen landespolitische Bedeutung zu haben - eine Kandidatur in nur 19 von 171 Gemeinden ist da zu wenig. Bleiben diverse Namenslisten, allen voran die Liste Burgenland. Sie konnten sich abseits von Ideologien und vorhandener Parteistrukturen mit ihren Persönlichkeiten durchsetzen.

Walter Schneeberger, Chefredakteur ORF Burgenland

Links: