Ganztagsschule: Experten dafür, ÖVP dagegen
Debatte: Woran krankt das Bildungssystem?
Der Bildungssprecher der ÖVP-Burgenland, Christian Sagartz, nimmt im ORF-Burgenland Interview zu den Vorschlägen der Expertengruppe Stellung und erklärt warum er weiterhin gegen die Einführung der gemeinsamen Schule der zehn bis 14-Jährigen ist, für die die SPÖ schon seit langem ist.
burgenland.ORF.at: Markus Hengstschläger spricht sich außerdem für eine Art Mutter-Kind-Pass für Bildung aus: Finanzielle Anreize sollen dafür sorgen, dass alle Kinder Deutsch lernen und gut sprechen, wenn sie dann in die Schule kommen. Was sagen Sie dazu?
Christian Sagartz: Ein finanzielles Anreizsystem in Bildungsfragen ist selbstverständlich begrüßenswert. Das ist eine Idee, die man verfolgen kann. In der Praxis muss man sich das natürlich noch sehr genau ansehen. Was wir nicht wollen, ist es irgendwelche Zwänge aufzuerlegen.
burgenland.ORF.at: Die Idee dahinter wäre, dass alle, die in die Schule kommen, gut Deutsch können. Kann man das mit finanziellen Anreizen erreichen?
Sagartz: Erstens das und zweitens hat Sebastian Kurz als Integrationsstaatssekretär gezeigt, dass wie wichtig die Sprache und das Erlernen der deutschen Sprache für Integrationsfragen sein kann und sein muss. Und ich denke das ist ein weiterer Schritt in diese richtige Richtung
burgenland.ORF.at: Ein weiterer Vorschlag der Expertenkommission ist die Einführung der flächendeckenden Ganztagsschule. Hier haben Sie immer eine andere Meinung vertreten, ändern Sie damit ihre Meinung dazu?
Sagartz: Nein, sicher nicht. Das ist ein Vorschlag von Experten. Das ist ein Vorschlag, den es zu diskutieren gilt und ich denke mir, die ÖVP hat derzeit eine ganz klar andere Linie, auch im Burgenland.
burgenland.ORF.at: Wenn Experten sagen, dass eine flächendeckende Ganztagsschule sinnvoll ist, warum sträubt man sich in der ÖVP so dagegen?
Sagartz: Offen gesagt: Wer ist in dieser Frage Experte? Ich würde sagen: Auch alle Eltern, alle Kinder, alle Schüler wären gleichberechtigte Experten in so einer Frage. Hier sehe ich keine Mehrheit für eine Ganztagsschule und deshalb werde ich auch diese Linie weiterhin nicht verfolgen.
burgenland.ORF.at: Was sagen Sie zu dem Vorschlag einer Abschlussprüfung für die mittlere Reife?
Sagartz: Dieser Vorschlag ist genauso begrüßenswert in einer Diskussion. Ob er umgesetzt werden sollte, da habe ich meine großen Zweifel.
Das Interview mit Christian Sagartz führte ORF-Burgenland Redakteurin Alexandra Strobl.
SPÖ-Bildungssprecherin kritisiert ÖVP
Der Ausbau ganztägiger Schulformen müsse nach der flächendeckenden Umsetzung der Neuen Mittelschule die nächste große Etappe der Bildungsreform sein, sagt SPÖ-Bildungssprecherin Doris Prohaska zur aktuellen Diskussion. "Es ist erstaunlich, dass sich die ÖVP trotz eindeutiger Expertenmeinungen noch immer gegen diese notwendige Weiterentwicklung unseres Bildungssystems stellt“, so Prohaska.
Die Ganztagsschule habe sich in vielen europäischen Staaten bewährt. Im Burgenland werden derzeit rund 3.700 Kinder an 110 Standorten in ganztägigen Schulformen betreut. „Dieses Netz sollte weiter verdichtet und Richtung echter Ganztagsschule ausgebaut werden", so die SPÖ-Bildungssprecherin.
Publiziert am 24.09.2012

