Prozess gegen Chinarestaurant-Besitzer vertagt
140 Euro Entlohnung für dreieinhalb Wochen Arbeit mit jeweils 75 Wochenstunden - in einem zweiten Fall 600 Euro Monatslohn für eine 56-Wochenstunde - so skizziert der Staatsanwalt die Praktiken des Angeklagten vor Gericht und wirft ihm Ausbeutung von Fremden vor.
Angeklagter bestreitet Vorwürfe
Der 55jährige Chinarestaurant-Betreiber, ein Österreicher chinesischer Abstammung, bestreitet den Vorwurf der Ausbeutung jedoch vehement. Er habe nicht gewusst, daß die beiden von ihm für Hilfsdienste beschäftigten Chinesen entweder überhaupt illegal in Österreich waren oder zumindest keine Arbeitserlaubnis hatten. Die Arbeitszeit sei geringer gewesen als die beiden Arbeiter vor der Polizei ausgesagt haben, die Entlohnung hingegen viel höher, nämlich um die 1000 Euro pro Monat.
Die Verteidigung legte dem Gericht Schuldscheine vor, die beweisen sollen, dass einer der beiden Arbeiter nicht nur 140 Euro Entlohnung erhalten hat, sondern zusätzlich einen Kredit des Arbeitgebers in Höhe von 800 Euro.
Als eben jener Arbeiter, der auch als Zeuge geladen ist, seine Aussagen immer wieder leicht abändert und ergänzt, platzt sowohl dem Richter als auch dem Staatsanwalt der Kragen.
„Entweder Sie sind deppert oder stellen sich so“
Richter Wolfgang Rauter betont, er habe erst kürzlich eine Zeugin direkt aus dem Gerichtssaal heraus verhaften lassen, weil sie gar zu dreist gelogen habe. Staatsanwalt Heinz Prinke sagt wörtlich zum Zeugen: „Entweder Sie sind deppert oder Sie stellen sich deppert - ich glaube eher Zweiteres.“
Die Verhandlung wurde vertagt, weil Richter Wolfgang Rauter ein kriminaltechnisches Gutachten einholen lässt, ob die am Dienstag vorgelegten Schuldscheine nachträglich angefertigt wurden und damit ein Beweismittel gefälscht worden ist.
Publiziert am 05.06.2012

