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DI | 09.02 | 15:47
Frau mit Heilerde-Maske. (Bild: www.ugb.de)
Gesund leben
Heilerde - uralte Naturarznei
Seit Menschengedenken ist Erde zu heilenden Zwecken verwendet worden. Berühmte Ärzte wie Paracelsus empfahlen sie. Im Mittelalter war sie als Bestandteil der "Dreckapotheke" beliebt. Dann geriet die Heilerde in Vergessenheit, bis zwei Geistliche sie wiederentdeckten.
Pastor Felke und Pfarrer Kneipp
Der protestantische Pastor Felke heilte die Leute mit Licht, Luft, Wasser und Erde, der katholische Pfarrer Kneipp sagte, eines der besten Heilmittel ist der Lehm und setzte ihn als Umschlag bei Venenentzündungen, Gelenkserkrankungen und Geschwüren ein.
Heilerde zur inneren und äußeren Reinigung
Der Einsatz von Heilerde ist besonders nach den Faschingstagen sehr sinnvoll. Mit Gesichtsmasken kann man die strapazierte Haut reinigen und regenerieren. Innerlich angewendet, hilft Heilerde den gesamten Verdauungstrakt zu reinigen, was in der Fastenzeit nur nützlich sein kann.
Einfach anzuwenden
Heilerde ist ein so einfach anzuwendendes Heilmittel ohne jegliche Gefahr von Nebenwirkungen, dass sie sich zur Selbstanwendung besonders gut eignet. Sie ist in Apotheken und Drogerien unter verschiedenen Bezeichnungen erhältlich.
Heilerde. (Bild: www.wasser-salz-und-mehr.de)
Viele Namen für Heilerde
Der Name Heilerde ist einer Firma (Luvos) vorbehalten. Andere Begriffe, unter denen Heilerde - meist als "Nahrungsergänzungsmittel" - in den Handel kommt, sind: Tonerde, grüne Mineralerde, grüner Lehm von Argiletz (Frankreich), von dort gibt es auch gelben, rosa und roten Lehm.

Als weiße Heilerde wird meist Bolus albus (unter diesem Namen in der Apotheke erhältlich, eigentlich Kaolin) bezeichnet. Diese besitzt aber kein Wasserbindungsvermögen und würde bei innerer Einnahme zu Klümpchenbildung im Darm führen. Also Achtung beim Kauf!

Außerdem gibt es Heilerde in den verschiedensten Feinheitsgraden, es ist sinnvoll, sich ausführlich beim Kauf beraten zu lassen.
Was ist Heilerde?
Unter Heilerde versteht man üblicherweise Löss. Dieser entstand zumeist während der letzten Eiszeit, als die Erde zu großen Teilen von einer dicken Eisschicht bedeckt war.

Die tonnenschwere Last zermalmte Felsen und Steine zu feinem Gestein. Wind und Wasser zerkleinerten die Gesteinspartikel schließlich auf Staubkorngröße.
Zusammensetzung
Die genaue Zusammensetzung der Heilerde variiert nach Abbaugebiet. Heilerde besteht, je nach Herkunft, aus 45 Prozent Quarz, Feldspat, Kalkspat, Dolomit, Glimmer und Montmorillonit. Sie enthält Mineralstoffe wie Silizium, Eisen, Kalzium, Magnesium Kalium, Aluminium und Natrium und dazu einige besondere Spurenelemente wie Chrom, Kupfer, Zirkonium, Strontium und Vanadium. Heilerde kann innerlich und äußerlich verwendet werden.
Wirkung von Heilerde
Heilerde hat ein hohes Absorptionsvermögen, das heißt, sie kann eine Vielzahl von Verbindungen wie Gase, Flüssigkeiten oder auch Giftstoffe binden.

Innerlich angewendet wirkt die Heilerde absorbierend, antibakteriell, basisch, mineralstoffzuführend, ballaststoffreich und durch ihren hohen Ballaststoffgehalt massierend auf den Darm.
Vielseitig
• Heilerde bindet im Darm, wie Untersuchungen zeigen konnten, nicht nur überschüssige Gallensäuren, sondern auch das „schädliche“ Cholesterin LDL.

• Durch die große Fülle an Mineralstoffen und Spurenelementen, vor allem den hohen Kieselsäuregehalt, hilft die Heilerde beim Aufbau des Gewebes und des Bindegewebes

• Heilerde hat kleinste Partikel, die eine Mikromassage in Magen und Darm bewirken, ohne zu reizen. Dadurch verstärken sie auch die Sekretion von Verdauungssäften. Heilerde, mit viel Wasser getrunken, hat Ballaststoffwirkung. Die aufgeschwemmte Erde vergrößert den Darminhalt und verstärkt die Ausleitung. Aber Achtung: Sollte nach Einnahme von Heilerde Verstopfung auftreten, ist die Wassermenge bei der Zubereitung zu erhöhen. Aufhören mit der Heilerdeanwendung, wenn sich trotz der höheren Wassermenge die Verstopfung nicht löst!

• Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten soll die Einnahme zeitlich getrennt werden, Heilerde könnte bestimmte Stoffe in Medikamenten binden.
Zubereitung zur innerlichen Anwendung
Konzentriertes Heilerdewasser: Zwei Teelöffel mit ¼ l lauwarmen Wasser gut verrühren. Gilt als Tagesdosis, die auf zwei bis dreimal verteilt werden soll.

Vor dem Trinken immer aufquirlen.
Mildes Heilerdewasser sollte vor dem Trinken aber nicht aufgequirlt werden. Dadurch bleibt ein Erdsatz am Boden, das Wasser enthält vor allem die wasserlöslichen Mineralstoffe.
Hilft bei Angina und Vergiftung
• Heilerdewasser langsam schluckweise trinken. Einnahme morgens auf nüchternen Magen, mittags eine Stunde vor dem Essen und abends vor dem Schlafengehen.

• Bei Halsentzündungen, Angina, Mundgeruch mit konzentriertem Heilerdewasser gurgeln.

• Auch bei akuten Vergiftungen hilft die Heilerde: Als erste Notmaßnahme umgehend konzentriertes Heilerdewasser trinken.  Achtung, immer gleich Arzt verständigen oder die Vergiftungszentrale anrufen (Tel: 01/406 43 43).
• Für Tropenreisende empfiehlt sich die Mitnahme von Heilerde. Bei Durchfällen sofort in erhöhter Dosis anwenden (drei mal täglich 1 Teelöffel Heilerde auf 1 Glas abgekochtes Wasser).
Äußerliche Anwendung
Äußerlich angewendet wirkt Heilerde absorbierend, antiseptisch, antibakteriell, austrocknend, desodorierend, geweberegenerierend, kühlend, schmerzlindernd, abschwellend, entsäuernd, juckreizstillend und beruhigend.
Hilft z. B. gegen Akne und Rheuma
Die äußerliche Anwendung empfiehlt sich daher bei Abszessen, Akne, Allergie, Gelenkserkrankungen, Rheuma, Gicht, Hexenschuss, Sportverletzungen, Sehnenscheidenentzündung, Schleimbeutelentzündung, Ekzemen, Hauterkrankungen, eiternden Wunden, Nagelbetterkrankungen und auch bei Migräne (mit Zusatz von ätherischem Öl wie Minze).
Zubereitung:
Der Heilerde soviel Wasser beifügen, bis ein dicker Brei entsteht.
Kalter Heilerde-Umschlag:
Der Heilerdebrei wird kalt entweder direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen oder vorher auf ein Tuch gestrichen und dann aufgelegt (cirka einen halben Zentimeter dick). Durch das feste Einpacken wärmt sich der Brei schnell durch die Körpertemperatur. Es entsteht im Prinzip ein ähnlicher Effekt wie bei einer Kaltwasseranwendung: Durch die Kälte werden die oberflächlichen Hautgefäße zusammengezogen, es muss von tieferen Schichten Blut herangeführt werden und das bewirkt eine verstärkte Durchblutung. Das lindert Schmerzen und wirkt entzündungshemmend.
Heißer Heilerde-Umschlag:
Der Heilerdebrei wird wie beschrieben zubereitet und vor der Anwendung im Wasserbad erhitzt und so warm wie möglich aufgetragen. Durch die heiße Erdpasta wird dem Körper feuchte Wärme zugeführt. Anwendung überall da, wo Verhärtungen, Verspannungen auftreten, bei chronischen Entzündungen und bei krampfartigen Schmerzen.
Heilerde-Auflage:
Entweder verwendet man dafür konzentriertes Heilerdewasser oder macht einen sehr dünnflüssigen Brei. Dieser wird dann auf den betroffenen Bereich aufgepinselt. Bei diesem Verfahren dringen die Heilerdepartikel besser in die Haut ein, ziehen Sekrete und Stoffwechselgifte heraus und binden Säuren (jede Entzündung äußert sich durch Übersäuerung des kranken Gewebes). Dieses Verfahren ist die einzige Heilerdeanwendung, bei der die Heilerde auf der Haut vollständig austrocknen soll. Dadurch kommt es zu einer Flüssigkeitsbewegung von innen nach außen, eitrige Wunden werden gereinigt, Schwellungen klingen ab. Als Folge der Sogwirkung kommt es auch zu einer besseren Durchblutung.
Heilerdebad:
Man stellt aus cirka einem Kilogramm Heilerde pro Wanne einen sehr dünnen Brei her und gibt ihn in das Wasser. Dauer des Bades am Anfang fünf bis zehn Minuten, später bis zu zwanzig Minuten, zwei- bis dreimal die Woche zur Abwehrstärkung, bei vegetativen Störungen, Stoffwechselleiden, Wirbelsäulenerkrankungen.
Einpudern mit Heilerde:
Im Gegensatz zu herkömmlichen desinfizierenden Wundpudern hat die Heilerde auch eine wundheilende Wirkung. Sie wirkt blutstillend bei frischen Wunden und granulationsfördernd bei eitrigen Verletzungen.
Auch als Zahnpasta, Puder und Maske
• Zahnpasta: Abgekochtes Wasser mit etwas Salz (ist gut gegen Parodontose) und ca. 100 g Heilerde (ultrafein) vermengen, bis eine cremeartige Masse entsteht, eventuell 5 Tropfen ätherisches Öl hinzufügen (z. B. Minze oder Salbei).

• Körperpuder, Fußpuder: Die Heilerde allein kann als solches verwendet werden, aber auch hier empfiehlt sich ein Zusatz von ätherischen Ölen, 5 Tropfen auf 100 g: Salbei gegen Fußschweiß, Lemongras oder Zitrone wenn man viel stehen muss. Für Körperpuder wählt man seinen Lieblingsduft, von Rosenöl bis Patschuli. Für Körperpuder gegen Achselschweiß nimmt man auch wieder Salbei.

• Gesichtsmaske: Cremeartige Heilerdepasta zubereiten. Heilerde allein wirkt schon gut, da sie tief in die oberen Hautschichten eindringt, die Hornhaut erweicht und dadurch die Haut von abgestorbenen Hautpartikeln befreit wird. Dazu kommt noch die aufbauende Wirkung durch die Mineralstoffe, vor allem die gewebsstärkende Kieselsäure. Auch hier kann die Wirkung durch Zusätze intensiviert werden. Man kann beispielsweise den Heilerdebrei mit einem passenden Tee anmachen oder  ätherische Öle zusetzen (Lavendel wirkt beruhigend, Minze oder Zitrone hilft bei fetter Haut, Geranium oder Ylang-Ylang bei trockener Haut). Bei trockener Haut empfiehlt sich noch eine Zugabe von einem Esslöffel kaltgepresstem Pflanzenöl  z.B. Avocadoöl)  zum Heilerdebrei.
Kräuterexpertin Miriam Wiegele
Miriam Wiegele gibt Auskunft. Bei Fragen zum Thema wenden Sie sich bitte an die ORF-Burgenland-Kräuterexpertin. miriam.wiegele@orf.at