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SO | 21.03 | 20:15
Heidelbeerente. (Bild: APA)
Gesund leben
Mit Heidelbeeren gegen Durchfall
Bei ansteigenden Temperaturen kann es oft zu Brechdurchfällen kommen. Die so genannte "Darmgrippe" ist aber keine echte Grippe. Bei Durchfall helfen Heilpflanzen wie Heidelbeeren.
Breiig bis wässrig
Durchfall - griechisch Diarrhöe - ist keine Krankheit, sondern das Symptom vieler Krankheitsursachen.

Von Durchfall spricht man, wenn die tägliche Stuhlfrequenz auf mehr als drei Mal ansteigt. Damit verbunden ist eine Veränderung des Stuhles zu einer breiigen bis wässrigen Konsistenz, bis hin zum reinen "Wasserdurchfall".
Bedrohlicher Flüssigkeitsverlust
Dadurch kann ein deutlicher Flüssigkeits- und Mineralsalzverlust im Körper entstehen, der besonders bei Säuglingen bedrohlich ist, sowie eine Störung des Säure-Basen-Haushaltes.
Klopapier. (Bild: APA)
Akut mit Fieber
Von einem akuten Durchfall spricht man, wenn er plötzlich auftritt und nicht länger als eine Woche dauert. Der akute Durchfall wird meist durch Bakterien oder Viren verursacht, ist häufig von Fieber, Übelkeit oder Erbrechen und Darmkrämpfen, die auch kolikartig sein können, begleitet.

Pflanzliches gegen Durchfall
Akuter Durchfall ist eine Schutzreaktion des Körpers, eingedrungene Krankheitserreger oder Gifte so schnell wie möglich los zu werden. Akuter Durchfall lässt sich sehr gut mit pflanzlichen Heilmitteln behandeln. Ein Arzt muss unbedingt konsultiert werden, wenn das Fieber hoch wird oder der Stuhl blutig wird.
Ursachen für akuten Durchfall
- "Darmgrippe" durch Infektionen mit Viren (z.B. Rotaviren, die bei Kindern zu gefährlichen
Krankheitszuständen führen können) oder Bakterien.

- Lebensmittelvergiftung: durch Bakterien (besonders Salmonellen oder Staphylokokken) in verdorbenen Nahrungsmitteln wie Fleisch (vor allem Faschiertem) wie Stichproben im Handel immer wieder zeigen. Aber auch Milchprodukte und Eis können kontaminiert sein. Die Bakterien bilden Giftstoffe, die den Magen-Darm-Trakt angreifen und ihre Wirkung schon wenige Stunden nach der Aufnahme zeigen.

- Reisedurchfall: Infektionen mit Bakterien, meist Escherchia-coli-Stämmen. Vorbeugen kann man "Montezumas Rache", indem man sich an einen markanten englischen Merksatz hält: "Cook it, peel it or leave it" (Koch es - das Wasser, schäl es- das Gemüse und Obst - oder lass es liegen).

Aus psychosomatischer Sicht wird allerdings immer gerne darauf hingewiesen, dass vor allem Menschen davon betroffen sind, die sich als Weltenbummler verstehen, in Wirklichkeit aber doch Angst haben, was alles passieren könnte. Treffenderweise sagte man im Volksmund "vor Angst in die Hosen machen" oder überhaupt "Schiss zu haben". Außerdem spiegelt das körperliche Symptom sehr klar die seelische Ebene wider - der Weltenbummler, der vor lauter Geschäftigkeit keine Zeit hat, die Eindrücke wirklich aufzunehmen und zu verarbeiten, alles fließt nur so vorbei und rauscht durch einen durch, weshalb es zu einem "Durchmarsch" kommt. Durchfall zeigt generell an, dass man unbewusst zu vieles einfach hindurchlässt, ohne es aufzuarbeiten.

- Durchfall durch Medikamente: Manche Medikamente - vor allem Antibiotika - können Durchfall auslösen. Nach dem Absetzen der Medikamente klingt der Durchfall meistens wieder von selber ab. Es empfiehlt sich allerdings nach der Einnahme von Antibiotika, die ja auch die körpereigenen Dickdarmbakterien angreifen, eine Symbioselenkung zu machen, also der Einsatz von speziellen Präparaten, die die Bakterienflora wieder aufbauen können und die man in der Apotheke bekommt.
Frau auf dem Strand. (Bild: APA)
Chronischer Durchfall
Chronische Durchfälle können verschiedene Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn auftreten. Auch Irritationen der Darmschleimhaut, als Reizdarm-Syndrom bezeichnet, können Durchfälle auslösen.

Laktose-Intoleranz
Weiters kann ein Mangel an Verdauungsenzymen zu Durchfällen führen. Am häufigsten ist es eine Nahrungsmittelunverträglichkeit durch Laktose-Intoleranz.
Diagnose durch Doktor
Wenn das Enzym Laktomose fehlt, das hilft Milchprodukte zu verdauen, verursacht Milchgenuss Durchfall. In seltenen Fällen sind Bauchspeicheldrüsenerkrankungen oder Schilddrüsenüberfunktionen die Ursache von chronischem Durchfall.

Daher sollten die Ursachen eines chronischen Durchfalls nicht nur vom Arzt diagnostiziert, sondern auch behandelt werden.
Selbsthilfe bei akutem Durchfall
Am wichtigsten ist es, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Bei Durchfällen, die länger als zwei Tage andauern, ist es notwendig, den Elektrolytverlust zu ersetzen.
Mit Kochsalz und Traubenzucker
Diese Mischungen sollten Kochsalz, Soda, Traubenzucker und Kaliumchlorid enthalten. In der Apotheke gibt es unter dem Namen Normolyt eine fertige Mischung für Babys und unter dem Namen Normhydral eine für Kinder und Erwachsene.

Diese "bilanzierte Trinklösung" kann man in einem Pfefferminztee auflösen, da Pfefferminztee selber auch günstig bei Brechdurchfällen hilft.
Heilpflanzen gegen Durchfall
Heidelbeeren zum Beispiel enthalten Gerbstoffe, die das Eiweiß in den Zellen der Darmschleimhaut so binden, dass Bakterien dort keinen Nährboden mehr vorfinden. Die Farbstoffe der Heidelbeeren, die Anthocyane, haben eine zusätzliche bakterienwachstumshemmende Wirkung.

Achtung: Frische Heidelbeeren, und das gilt auch für tiefgefrorene, wirken auf Grund ihrer Fruchtsäuren eher abführend.
Heidelbeeren im Körbchen. (Bild: APA)
Heidelbeeren: Die getrockneten Früchte, die man in der Apotheke bekommt, sollte man eher nicht kauen, wie oft angeraten wird. Besser ist es, die zusammenziehenden Gerbstoffe zu lösen, indem man einen Tee kocht: 3 EL getrocknete Heidelbeeren mit einem halben Liter Wasser aufkochen und ca. 10 Minuten kochen lassen.

Blutwurz (Potentilla erecta): Sie wird auch Tormentill genannt und hat eine sehr ähnliche Wirkung wie die Heidelbeeren, nämlich zusammenziehende Gerbstoffe und bakterienwachstumshemmende Farbstoffe. Der Tee aus der Wurzel (1TL Wurzel auf einen Viertelliter Wasser) sollte ebenfalls 10 Minuten gekocht werden.

Gänsefingerkraut (Potentilla anserina): Der Tee enthält neben zusammenziehenden Gerbstoffen auch noch krampflösende Stoffe, er empfiehlt sich also bei Durchfällen mit kolikartigen Schmerzen. Zubereitung: 1 TL Kraut mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.

Pfefferminze (Mentha x piperita): Das Menthol der Pfefferminze wirkt desinfizierend, gärungswidrig und krampflösend. Beim Durchfall wirkt es daher gegen die auslösenden Bakterien und die Folgen. Dazu kommt auch noch eine fast lokalanästhetische Wirkung auf die Magenschleimhaut, die Brechreiz mildern kann. Pfefferminztee hilft daher besonders bei Brechdurchfällen. Der Tee (1TL auf einen Viertelliter Wasser) wird im Aufguss zubereitet und sollte nicht länger als 10 Minuten ziehen.

Uzarawurzel: Von afrikanischen Medizinmännern stammt das Wissen über die Wirkung dieser Pflanze, die auch wissenschaftlich untersucht wurde. Die Glykoside, die enthalten sind, machen aus Uzara eine krampflösende und dadurch auch peristaltikhemmende Heilpflanze. Die kolikartigen Schmerzen bei Durchfall werden gelindert, gesteigerte Darmtätigkeit wird gedämpft. Der Einsatz dieser Pflanze, die in der Apotheke als standardisiertes Präparat zu erhalten ist, hat sich vor allem auch bei "Tropendurchfällen" bewährt. Doch Achtung! Auf Grund der Inhaltsstoffe sollte Uzara nicht während der Schwangerschaft und nicht bei gleichzeitiger Einnahme von Herzglykosiden verwendet werden.
Absorbierende Medizinalkohle
Günstig ist bei Durchfällen auch der Einsatz von sogenannter Medizinalkohle (Carbo medicinalis). Sie wird aus pflanzlichem Material wie Holz, Torf oder Zellulose hergestellt (zum Beispiel Birkenkohle, Carbo betulae comp.). Solche Medizinalkohlen haben eine absorbierende Wirkung.
Große Oberfläche
Entscheidend für ihre Wirkung ist die Summe der Oberflächen ihrer winzigen Stäubchen - fast unvorstellbar, pro Gramm etwa 1.500 m2. Daran lagern sich die Giftstoffe und Gase an. Die Medizinalkohle hilft daher, die kolikartigen Blähungen bei Durchfällen schnell zu beseitigen.
Omas Hausmittel
Für unsere Großmütter war es noch selbstverständlich, bei Durchfall geschabten Apfel oder gedämpften Karottenbrei zu geben.

Geschabter Apfel: Am besten ist eine Glasreibe, auf der die Apfelstücke fein gerieben werden. Die Apfelpektine schützen die Schleimhäute, adsorbieren Gifte und Krankheitskeime und hemmen eine abnorme Darmflora.

Karottenbrei: Karotten schälen, im Mixer pürieren, mit wenig Wasser einkochen lassen und dann - durch ein Sieb passiert - in Gemüsebrühe einrühren, die auch zur Elektrolytversorgung dient. Die Karotten haben ebenfalls eine adsorbierende Wirkung und verhindern, dass sich schädliche Keime an die Darmschleimhäute anheften können.