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MI | 17.03 | 00:00
Mutter mit weinendem Kind. (Bild:APA)
Erziehungstipps
Eltern müssen nicht perfekt sein
Natürlich versuchen Eltern gegenüber ihren Kindern immer alles richtig zu machen. Aber sie sind nicht immer perfekt - und sie müssen es auch nicht sein, sagt ORF-Burgenland-Erziehungsberaterin Veronika Pinter.
Verhalten wird in Frage gestellt
Kommt Ihnen das bekannt vor? Situation 1, in der Früh vor der Schule: Das Kind trödelt herum, der Zeiger der Uhr bewegt sich erbarmungslos nach vorne.

Sselber bemüht man sich ruhig zu bleiben und das Kind liebevoll zum Weiter- und Schnellermachen zu bewegen und dann auf einmal reißt der Geduldsfaden, die Stimme wird kreischend hoch und ein wütendes "Mach jetzt endlich! Diese Trödelei geht mir so auf die Nerven!" tönt durch das Vorzimmer.

Das Kind pariert, zieht sich an, aber selber ist man unzufrieden mit dem eigenen Verhalten. Wieso habe ich losgebrüllt, wieso habe ich mich nicht beherrscht, was gebe ich nur für ein Vorbild ab?
Eltern mit Kindern. (Bild: APA)
Ungutes Gefühl nach Donnerwetter
Oder Situation 2: Das Kind kommt mit einer schlechten Schulnote nachhause. Man hat sich vorgenommen das Bemühen des Kindes zu loben und nicht das Resultat.

Als man jedoch die Schularbeit anschaut und feststellt, dass der liebe Nachwuchs "wieder" die gleichen Fehler gemacht hat, ist das Verständnis auf einmal passe und es hagelt Vorwürfe und Aussprüche wie "Das gibt es doch nicht!" und "Wie kann man nur?", die im Anschluss an das Donnerwetter ein ungutes Gefühl und Zweifel an der pädagogischen Kompetenz zur Folge haben.
Heidi Klum, die Parademutter?
Heidi Klum, der Parademutter dieses Jahrtausends, passiert das sicher nicht. Sie lächelt auch beim x-ten Kind, dessen Geburt natürlich überhaupt kein Problem war – auch figurtechnisch nicht – überglücklich und selig von den Covers diverser Frauenzeitschriften.

Sie weckt in Anbetracht ihrer zur Schau getragenen Perfektion in uns nichts anderes als ein schlechtes Gewissen.

Mit großer Unterstützung
Erwähnt wird selbstverständlich in kaum einer dieser Illustrierten, dass eine Handvoll Nannys und Hausangestellte für das leibliche und seelische Wohl der süßen Vorzeigefamilie verantwortlich ist, was die Vollkommenheit erheblich relativieren würde.
Heidi Klum. (Bild: APA)
Unrealistische Ansprüche
Eltern sind nicht perfekt und sie müssen es auch nicht sein. Eltern sind Menschen wie alle anderen auch, mit Fehlern und Emotionen, die halt manchmal hochgehen.

Leider haben jedoch viele Eltern heutzutage sehr oft absolut unrealistische Ansprüche an sich selbst und auch an die lieben Kleinen.

Problem Doppel- und Dreifachbelastung
Besonders betroffen hiervon sind Erziehende, die einer Doppel- oder Dreifachbelastung ausgesetzt sind, das heißt mehrheitlich Frauen, die sowohl im Job und im Haushalt und natürlich auch in der Erziehung alles hundertprozentig perfekt machen müssen/wollen.

Auch bei Alleinerziehenden ist der persönliche Leistungsdruck sehr hoch, da sie häufig den Drang verspüren ihrem Kind den nicht permanent vorhandenen Elternteil auch noch ersetzen zu müssen.
Quelle der Verunsicherung
Viele Erziehungsratgeber und Pädagogiksendungen stehen Erziehenden mit Rat und Tat zur Seite, sie sind jedoch aufgrund der Fülle an oft unterschiedlichen und teilweise sogar widersprüchlichen Informationen für viele Eltern eher Quelle der Verunsicherung als der Unterstützung.
Verlust von Erziehungswerten
Früher, ein bis zwei Generationen vor unseren Kindern, bestand ein allgemeiner Konsens darüber, was richtig und falsch ist.

Ferngesehen wurde von 17.00 Uhr bis 18.00 Uhr, zwischen 19.00 Uhr und 20.00 Uhr waren die Kinder mehrheitlich im Bett, Leute auf der Straße wurden selbstverständlich gegrüßt und die Kinder bekamen ungefähr gleich viel Taschengeld.

Eltern hatten Vorgaben, an die sich halten konnten und die ihnen mehr Argumente im Umgang mit den Kindern lieferten.

Kinder stellen Werte in Frage
Heutzutage stellen Kinder familieneigene Werte in Frage durch "Meine Freundin darf das auch!" und "Bei meinem Freund ist das erlaubt, wieso darf ich das nicht?" und zwingen ihre Eltern dazu sich mit ihrem pädagogischen Konzept und ihren Wertvorstellungen auseinander zu setzen.
Kinder wollen geführt werden
Viele Eltern heutzutage haben Angst davor, von ihren Kindern abgelehnt zu werden, wenn sie ihnen gewisse Dinge nicht erlauben beziehungsweise ihnen nicht alles erfüllen können.

Sie richten sich häufig nach den Bedürfnissen der Kinder und vernachlässigen ihre eigenen. Kinder wollen jedoch instinktiv, dass Eltern vorgeben, was richtig und was falsch ist und suchen durch Fragen und ihr Verhalten nach den Grenzen.

Werte vorgeben
Sie als Eltern geben vor, welche Werte in ihrer Familie von Bedeutung sind und sollten dies durch konsequentes Verhalten in die Tat umsetzen.
Lebenswichtige Orientierung
Konkrete Aussagen wie "Bei uns ist es so, weil wir das richtig finden!" und "Das kann schon sein, dass in der Familie XY jeder isst, wann er Lust dazu hat, wir setzen uns zu Tisch und essen miteinander, weil uns das wichtig ist." zeugen von gesundem Selbstbewusstsein der Eltern und geben Kindern lebenswichtige Orientierung.
Bub vor dem Fernseher. (Bild: APA)
Lenken und führen
Kinder zu führen bedeutet nicht sie zu unterwerfen und sie zu autoritätshörigen Bürgern zu erziehen, sondern heißt, sie zu ihrem Wohle zu lenken.

Ein vierjähriges Kind kann nicht einschätzen, wie lang es fernsehen darf und wie viele Süßigkeiten es am Tag naschen darf. Es ist Aufgabe der Eltern, dies zu bestimmen und zur Entscheidung zu stehen.
Zu Fehlern und Emotionen stehen
Gestehen Sie sich und Ihren Kindern Fehlern und Gefühle bzw. Gefühlsausbrüche zu. "Heute in der Früh habe ich die Nerven verloren und geschrien, das tut mir leid!" - zeigen Sie Ihrem Kind, dass es Ihnen wertvoll ist, dass Sie darüber nachgedacht haben und geben Sie somit gleichzeitig ein gutes Vorbild ab.

Wenn Gefühlsausbrüche an bestimmte Situationen gekoppelt sind, könnte es sich um Eskalationsfallen handeln, die durch sorgfältige Planung vermieden werden können.