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SO | 21.03 | 08:59
Kinder in der Schule. (Bild: APA)
Schule und Strafen: Teil zwei
Sollen Lehrer wieder strafen dürfen? Dieses Thema behandelte ORF-Burgenland Erziehungsexpertin Veronika Pinter das vergangene Mal. Dieses Mal folgt Teil 2: Konsequenzen sind keine Strafen.
Positive Atmosphäre, konzentriert arbeiten
Eine positive Lernatmosphäre wünschen sich alle Eltern, Schüler und Lehrer, weil diese Motivation und Leistungsfähigkeit ermöglicht und konzentriertes Arbeiten fördert.

Wenn im Unterricht jedoch häufig Störungen auftreten (siehe erster Teil: zu spät kommen, Zwischenrufe, mit dem Handy spielen oder gar telefonieren bis hin zur Lärmeskalation), wird der Lernprozess behindert, die Aufmerksamkeit der Kinder wird gestört und die Konzentrationsfähigkeit massiv beeinträchtigt.

Klare Regeln
Um eine lernfreundliche Atmosphäre in der Schule herzustellen, bedarf es einerseits klarer Regeln und Konsequenzen und andererseits einer positiven motivierenden Grundhaltung und Kommunikationsfähigkeit von Lehrer und Eltern.
Schularbeitskontrolle (Bild: APA)
Eine Regel ohne Konsequenz ist sinnlos
Wenn Menschen zusammenleben und zusammenarbeiten, brauchen sie Regeln, denn diese sind Orientierungshilfe und geben Sicherheit.

Ohne Regeln und Gesetze und adäquate Folgen bei Regelverstoß wäre das menschliche Zusammenleben wahrscheinlich sehr viel komplizierter oder gefährlicher, man könnte seinen Aggressionen freien Lauf lassen und nach Belieben herumschreien. Auch körperliche Gewalt hätte keine Folgen und auf der Autobahn wäre rücksichtsloses Rasen wahrscheinlich eher die Norm als die Ausnahme.

Regeln und Gesetze als Schutz
Daher sind Regeln und Gesetze meist ein Schutz vor Übergriffen und auch in den meisten Schulen gibt es Hausordnungen, Verhaltensvereinbarungen bzw. Klassenregeln. Diese sind aber häufig nutzlos, wenn es keine Konsequenzen bei Regelverstoß gibt.

Wird auf Regelverstöße nicht reagiert, und zwar konsequent und unparteiisch, so lernen Schüler, dass es in Ordnung ist sich daneben zu benehmen, zu stören und andere vom Unterricht abzulenken und werden versuchen die Grenzen immer weiter auszuloten.
Die Ziele:
Regeln und Konsequenzen haben somit folgende Ziele:

- Schaffung eines störungsfreien und motivierenden Unterrichts

- Störender Schüler lernt Selbstkontrolle

- Demokratisierungsprozess: Alle werden gleich behandelt und lernen am Modell

- Transparenz von Grenzen
Welche Regeln sind notwendig?
Für das Festlegen von Regeln gilt Folgendes:

- eine Regel muss positiv formuliert sein

- je weniger Regeln, desto besser

- die Regeln sollen gut sichtbar sein (an der Wand, Flipchart etc.), damit der Lehrer bei Bedarf darauf hinweisen kann

- die Regeln sollen mit den Schülern erarbeitet werden, dann identifizieren sich diese damit und bestehen auf die Einhaltung derselben

- die Eltern werden davon informiert (Elternbrief, Info im Mitteilungsheft oder Elternabend)
Lehrerin (Bild: APA)
Konsequenz beim zweiten Verstoß
Beispiel für Klassenregeln: Jeder Schüler hat das Recht in Ruhe zu lernen. Reaktion des Lehrers bei Regelverstoß: Ein Schüler kann einmal gegen die Regel verstoßen, dann sollte er sofort nach der Regel gefragt und auf die Einhaltung bestanden werden. Beim zweiten Verstoß in Folge muss der Lehrer mit einer Konsequenz reagieren.

Nicht ignorieren
Durch Ignorieren signalisiert er, dass das Verhalten in Ordnung ist. Der Lehrer sollte auch vermeiden mit dem Schüler über dessen Verhalten vor der Klasse zu diskutieren, da der Schüler dadurch unnötig Aufmerksamkeit für Negativverhalten bekommt.
Ein Beispiel:
Marco ruft dazwischen. Der Lehrer fragt ihn: "Marco, gegen welche Regel verstößt du gerade?" Schüler Marco nennt die Regel und sagt, wie er sich verhalten soll.

Ruft Marco das zweite Mal dazwischen, sagt der Lehrer: "Du verstößt gerade das zweite Mal gegen die Regel, wie lautet die Konsequenz?" Schüler Marco nennt die Konsequenz und diese wird ausgeführt.
Konsequenzen mit Schülern erarbeiten
Auch die Konsequenzen sollen mit den Schülern erarbeitet werden, damit diese von ihnen auch akzeptiert werden. Konsequenzen sollen dem störenden Schüler klar machen, dass das Verhalten nicht akzeptiert wird und ihm Gelegenheit geben, sein Sozialverhalten zu überdenken und zu korrigieren.
Keine Kollektivkonsequenzen
Von Kollektivkonsequenzen wie Absage einer Veranstaltung für die ganze Klasse oder Nachsitzen der Klasse werden von den anderen Schülern als Strafe empfunden und daher sollte aus Fairnessgründen davon abgesehen werden.

Alleine nachsitzen lassen ist nicht zielführend
Individualkonsequenzen wie "zehn Mal die Hausordnung abschreiben lassen" oder den Schüler allein nachsitzen lassen um ihm die Möglichkeit zu geben, den aufgrund der Störungen versäumten Lernstoff nachholen zu lassen, sind auch nicht zielführend.

Denn erstens bekommt der Schüler wieder Aufmerksamkeit, zweitens hat der Lehrer in dieser Zeit sicher Sinnvolleres zu tun und drittens wird es den Schüler nicht dazu bringen, sich mit seinem Verhalten auseinander zu setzen.
Lehrerzimmer (Bild: APA)
Spürbar für Schüler
Konsequenzen sollen für den Schüler, der gegen die Regel verstoßen hat, spürbar sein bzw. ihn zum Nachdenken bringen. Konsequenzen können zum Beispiel sein:
Die Beispiele:
- Klassenordner für den Rest der Woche ablösen

- Wiedergutmachung eines Schadens

- Belohnungsspiel am Computer fällt heute aus (Volksschule)

- In der Pause im Schulhaus bleiben anstatt Hof (Volksschule)

- Auszeit - In der Auszeit wird dem Schüler für kurze Zeit die Aufmerksamkeit entzogen. Die Auszeit kann in der Klasse oder in einer anderen Klasse bzw. in der Direktion stattfinden.

- schriftliche Auseinandersetzung mit Negativverhalten (vorzugsweise in der Schule – "Trainingsraummethode")

- persönliches Gespräch: gemeinsame Zielsetzung

- Gespräch mit Eltern und Schülern: Vereinbarung von Verhaltenszielen

Wichtig: Sobald sich Schüler wieder an die Klassenregeln halten, sollten diese unbedingt durch Lob zur Fortsetzung dieses Verhaltens motiviert werden.
Wichtige Zusammenarbeit mit Eltern
Die Konsequenzen sollen gestaffelt werden und unbedingt auch den Eltern kommuniziert bzw. von diesen durch eine Unterschrift bestätigt werden.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist von größter Wichtigkeit und sollte in Zukunft unbedingt forciert werden um den Erziehungsprozess zu vereinheitlichen und zu erleichtern.