Süß oder pikant: Krautfleckerl

Die einen mögen sie süß, die anderen eher scharf. Aber grundsätzlich gibt es wohl nicht viele Menschen, die Krautfleckerl gar nicht mögen. Ein einfaches Gericht aus der winterlichen Hausmannskost, das bekanntlich auch zu literarischen Ehren gekommen ist.

In der 1975 erschienenen Anekdotensammlung „Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes“ von Friedrich Torberg stehen etliche legendäre Aussprüche der titelgebenden, vermutlich fiktiven Figur, einer schrulligen Tante. Besagte Tante Jolesch war in der Verwandtschaft berühmt für ihre hervorragenden Krautfleckerl, die immer bis auf das letzte Fleckerl verputzt wurden. Das Rezept hat die Tante auch nach jahrelangem Drängen nicht verraten, aber das Geheimnis, warum die Krautflecker gar so begehrt waren.

Krautfleckerl
ORF/Nicole Aigner

Ihre Nichte Louise fragte sie auf dem Sterbebett: „Tante, ins Grab kannst du das Rezept ja nicht mitnehmen. Willst du es uns nicht hinterlassen? Willst du uns nicht sagen, wieso deine Krautfleckerl immer so gut waren?" Die Tante Jolesch richtete sich mit letzter Kraft auf und antwortete: " Weil ich nie genug gemacht hab.“ Sprach´s, lächelte und verschied. (Ausschnitt aus dem Buch)

Sendungshinweis

„Radio Burgenland am Wochenende“, 20.1.2018

Klassiker der Wiener Küche

Krautfleckerl gehören jedenfalls zu den Klassikern der österreichischen aber auch der böhmischen und kroatischen Küche. Die wichtigsten Zutaten: Weißkraut und eben Fleckerl. Diese speziellen, kleinen Teigwaren mit der charakteristischen quadratischen Form eignen sich für viele schnelle Gerichte.

Kraut wird gehobelt
ORF/Nicole Aigner
Kraut besser hobeln statt schneiden

Die Seminarbäuerin Helene Milalkovits aus Steinbrunn verrät uns ihr Familienrezept, das sie auch bei Seminaren zum Thema „Mamas Küche“ weitergibt. Ihr Tipp: Das Kraut hobeln statt schneiden.

  • 300 g Fleckerl
  • 500 g Kraut
  • 70 g Zwiebel
  • 1 EL Kristallzucker oder brauner Zucker
  • Salz, Pfeffer
  • Pflanzenöl

Das gesalzene Wasser zum Kochen bringen und die Nudeln darin sehr bissfest kochen. Kraut fein hobeln, Zwiebel fein schneiden. Das Öl in einer Pfanne mit hohem Rand erhitzen, das Kraut zugeben und unter ständigem Rühren rösten. Es soll nicht dünsten, nur so kann sich das Röstaroma optimal entfalten.

Kraut wird gedünstet
ORF/Nicole Aigner
Kraut rösten

Erst wenn das Kraut schon sehr braun ist, kommt der Zwiebel dazu. Weiterrösten, bis der Zwiebel glasig wird. Zuckern und kurz durchrösten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Die abgeseihten Nudeln unter der Kraut mischen und das Ganze mindestens eine Viertelstunde ziehen lassen.

Süß mit viel Pfeffer

Jetzt scheiden sich die Geschmäcker. Die einen servieren die Krautfleckerl mit Zucker bestreut, andere pikant. Helene Milalkovits serviert sie süß - aber mit einer ordentlichen Portion Pfeffer. Davor gibt es eine fleischlose Suppe, Paradeissuppe oder Käsesuppe passen besonders gut. Im Gegensatz zur Tante Jolesch aus der Literatur macht die Bäuerin aus Steinbrunn übrigens immer ein bisschen mehr. Denn: „Aufgewärmt, am nächsten Tag, schmecken sie fast noch besser!“

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