Grenze: Weitere Flüchtlinge erwartet

Der Samstag ist für die Einsatzkräfte in Nickelsdorf tagsüber eher ruhig verlaufen. Zum Verschnaufen blieb den Helfern aber fast keine Zeit. Immer wieder erreichten größere Flüchtlingsgruppen den Grenzübergang.

Der Tag hatte in Nickelsdorf sehr ruhig begonnen: Um 6.00 Uhr in der Früh war die Halle in Nickelsdorf fast leer. Es hielten sich überhaupt nur rund fünf Flüchtlinge in Nickelsdorf auf, weil zuvor mehr als 800 Flüchtlinge mit Sonderzügen nach Salzburg gebracht worden waren. Im Laufe des Vormittags trafen aber bereits wieder Hunderte Flüchtlinge ein. Bis zum Samstagabend hatte man, laut Polizei, seit Freitagnacht etwa 5.000 Menschen zu versorgen.

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ORF-Burgenland-Reporter Norbert Lehner im Gespräch mit Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil

Keine Informationen für die Nacht

Am Samstagabend rechnete die Polizei mit weiteren 1.600 Flüchtlingen die unmittelbar vor der ungarisch-österreichischen Grenze standen. Für die Nacht habe man von den ungarischen Kollegen keine Informationen bekommen, sagte Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil. Das heiße nichts Gutes, man könne nicht abschätzen wieviele Menschen kommen könnten. Man rechne mit ähnlichen Zahlen wie in der Nacht auf Freitag.

Verstärkung aus ganz Österreich

Unterstützung erhielten die Polizeikräfte in Nickelsdorf bereits von Einheiten aus Tirol, aus Wien und aus Niederösterreich. Weitere 50 Polizisten aus der Steiermark wurden ebenfalls nach Nickelsdorf zur Verstärkung beordert. Wenn diese Zuführung von Kräften aus anderen Bundesländern aufrechterhalten werden könne, dann halte man diese Situation durchaus noch einige Wochen aus. Für eine Massenankunft von weiteren Flüchtlingen sei man gerüstet, sagte Doskozil.

Auch das Rote Kreuz wurde durch Kräfte aus ganz Österreich unterstützt. Alleine mit den burgenländischen Einheiten könne man das nicht bewältigen, sagte Rot-Kreuz-Einsatzleiter Reinhold Renner. Am Samstagnachmittag baute das Rote Kreuz ein Feldspital auf, um eine reibungslose Versorgung der Flüchtlinge garantieren zu können. Man habe in der Nacht bereits Temperaturen unter zehn Grad gehabt und da sei eine optimale Versorgung in unbeheizten Zelten, wo man Patienten ausziehen müsse, nicht mehr zu gewährleisten, sagte Renner.

Das Bundesheer baute in den vergangenen Tagen 41 Zelte auf. Diese seien aber derzeit noch überwiegend leer, hieß es am Samstag. Der Großteil der Flüchtlinge würde gleich weiterreisen wollen. Viele der Flüchtlinge würden sogar auf die Erstversorgung verzichten. Jeder habe Angst den letzten Bus nicht zu erwischen, obwohl genügend Busse zur Verfügung stünden. Aber das zu kommunizieren, sei auch für die Polizei nicht einfach, so Renner.

Mehr Flüchtlinge auch im Südburgenland

Auch im Südburgenland kamen am Samstag bei Moschendorf etwa 80 Menschen an. Sie hatten einen kilometerlangen Fußmarsch hinter sich, erzählte Polizeisprecher Gerald Koller. Busse der Polizei hätten bereits an der Grenze auf die Flüchtlinge gewartet, weil man von der ungarischen Polizei informiert worden sei. Die Flüchtlinge wurden in der Schulhalle in Moschendorf erstversorgt. Dann ginge die Reise weiter in Richtung Wien Westbahnhof. Am Samstagabend erwarte man weitere 120 Flüchtlinge die sich von Ungarn aus zu Fuß auf den Weg gemacht hatten, so Koller. In der Nacht auf Sonntag könnten noch weitere 700 Personen dazukommen.

Schon am Freitag waren mehr als 100 Flüchtlinge eingetroffen. Auch sie wurden in Moschendorf erstversorgt und dann nach Graz weitergebracht. Zurückgeblieben ist eine fünfköpfige Familie. „Die Mutter ist im neunten Monat schwanger. Aus diesem Grund hat die Familie das Angebot angenommen, vorerst in Güssing zu bleiben“, sagte Hans Peter Polzer vom Roten Kreuz.

Nickelsdorf Flüchtlinge
ORF/Norbert Lehner
In Nickelsdorf werden weiterhin Flüchtlinge aus Ungarn erwartet

Doskozil: „Enorme Wellenbewegung“

Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil rechnet mit einer neuen „enormen Wellenbewegung“ an Flüchtlingen aus Ungarn und ähnlich vielen Personen am Grenzübergang Nickelsdorf wie vergangenes Wochenende. Das sagte er am Samstag im Ö1-„Journal zu Gast“. Jüngste Schätzungen, dass derzeit auf der Balkanroute bis zu 40.000 unterwegs sein könnten, würden ihn aber nicht schrecken - mehr dazu in Hans-Peter Doskozil: Flüchtlingswelle bis Dienstag.

Regierung beschloss Maßnahmenpaket

Die Bundesregierung beschloss am Freitag ein Paket von Maßnahmen für die Flüchtlinge. Zunächst sollen, rechtzeitig vor Einbruch der kalten Jahreszeit, winterfeste Unterkünfte geschaffen werden. Auch die Koordination der Einsatzkräfte soll verbessert werden, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) - mehr dazu in Regierung rechnet mit 420 Millionen Euro (news.ORF.at).

Darabos: Heer soll logistisch unterstützen

Und SPÖ-Landesrat Norbert Darabos forderte bei einem Besuch in Nickelsdorf angesichts der Flüchtlingssituation einen Assistenzeinsatz des Bundesheeres. Der Einsatz solle aber nicht in Richtung Grenzkontrollen gehen, sondern logistische Unterstützung beinhalten, so Darabos und auch Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) unisono.

Darabos habe nun endlich die Forderung der ÖVP Burgenland nach einem Assistenzeinsatz zur Unterstützung der Einsatzkräfte bei Transport und Logistik vor Ort aufgenommen, so der geschäftsführende ÖVP-Landesobmann Thomas Steiner. Die ÖVP Burgenland habe bereits im Juli die Aufnahme des Assistenzeinsatzes im Burgenland gefordert. Es sei bedauerlich, dass die SPÖ so lange in der Schockstarre verharrt sei.

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